So weit, so gut, die Nerven liegen blank...steemCreated with Sketch.

in Deutsch Unplugged21 days ago

Herzliches Hallo zusammen,

ich weiß grad nicht, ob ich es euch schon mal erwähnt hatte (sorry, mein Gedächtnis lässt Stiche aus in letzter Zeit) aaaaber das Abilify wurde auf 15mg erhöht... Letztes Jahr... Im Juli... Und ich habe mich trotzdem immer mit den 10mg durchgeschmuggelt. Bis ich dann doch auf die 15mg erhöht habe, vor etwa zwei Monaten. Und was soll ich sagen..? Es ging mir beschissen! Die Gedanken kreisten mehr, ich war depressiv verstimmt und der ständige Hunger war UNERTRÄGLICH!

Was macht man in so einer Situation also, wenn man einen vom Hunger getriebenen, innerlichen Wutanfall hat? Richtig! Man setzt ab. Ohne Absprache mit meiner Psychiaterin und einfach von heute auf morgen. Ganz mein Style^^

Und ja, wie geht es jetzt weiter? Das fragen sich zur Zeit 5 Personen gleichzeitig: Meine Freundin, meine Psychiaterin, meine Psychologin, die Krankenschwester und ich^^ Ich habe ja schon eine Menge durch, entweder depressiv machende Antidepressiva (weil man einfach gar nichts mehr fühlt), Medikamente die überhaupt keinen Effekt hatten, oder eben welche die mich stabilisierten - aber auch nicht mehr. Also ich war so weit stabil, dass ich funktionierte, aber das wars dann auch schon. Leben tu ich schon lange nicht mehr.

Und genau DAS möchte ich jetzt ändern! Da die weitere Vorgehensweise zurzeit ein großes ? ist, meine Psychologin beim öffentlichen Dienst wechselt und ich einfach nicht lebe, habe ich mal, etwas zögerlich (weil ich genau weiß, wie sie darauf reagieren, bei meiner Vorgeschichte), eine Ketamintherapie vorgeschlagen und warte jetzt auf die Antwort ab. Ich erhoffe mir viel, falls ich sie wirklich erhalte und habe vielleicht auch etwas Angst, dass ich mir evtl. zu viel davon erhoffe...

Warum ausgerechnet Ketamin? Weil es ehrlichgesagt keine Alternative dazu gibt. Ketamin ist einzigartig in seiner Wirkform. Ich informierte mich schon vor Covid darüber und es kam mir halt alles so weit entfernt vor. Voraussetzung habe ich verstanden ist therapieresistente Depression, was ich nicht habe. Hinzu kommt meine Vorgeschichte, weshalb ich es natürlich nie erhalten werde. Aber es scheint als wäre die "Depression" nicht ein Kriterium, lediglich das "therapieresistent" ist ausschalggebend. Somit rückt es wieder näher ins Licht (ein kleines bisschen zumindest).

Aber eben warum Ketamin? Während mich anderes höchstens stabil gehalten hat, hat mir Ketamin, damals auf "meinem" Weg, Leben gegeben. Klar, der Trip durch Raum und Zeit, aber anschließend fühlte ich mich "normal" im Kopf, war offener, kommunikativer, usw. Alles Dinge, die klassische Medikamente nie erreicht haben bei mir... Ich verstehe auch die Wirkform: Es ist eine Art Schlüssel, der den Elektrikschrank im Kopf öffnet, sodass der Elektriker (aka Therapist) das Gehirn neu verkabeln kann. Es werden neue Verbindungen erschaffen und alte aufgelöst. Mal so ausgedrückt.

Wie würde so eine Therapieform aussehen?
Ketamin gibt es in verschiedenen Verabreichungsmöglichkeiten: Als Spray für die Nase (Spravato), oder als IV/IM Injektion. Zusätzlich muss man noch regelmäßig ein Antidepressivum einnehmen, welches die Stimmung stabil halten soll zwischen den Ketamin-Sessions. Und, so wie ich das verstanden habe, ab und zu ein Termin mit einem Therapist Therapeuten (wie gesagt, mein Hirn lässt Stiche aus in letzter Zeit^^). Üblich ist 1-2 mal wöchentlich Ketamin, darf nur in der Einrichtung verabreicht werden, zu Beginn und dann immer seltener. Dauer im Schnitt ca. 6-8 Monate.

Ich hoffe wirklich ich werde dafür zugelassen!

In der Zwischenzeit liegen meine Nerven blank^^ Die 2 Wochen Nachwirkungsdauer des Abilify sind jetzt um und ich muss sagen es geht eigentlich sogar. Am Anfang wurde ich ganz schnell gereizt, zugegeben, aber sogar das legte sich etwas. Nur halt die Nerven... Ich bin leicht kommunikativer zu Hause und der Haushalt geht auch einigermaßen besser. Es fühlt sich halt ständig so an, als wäre ich an der Borderline. Ich versuche mich abzulenken, mit Musik, Schnaufen und Gesicht verziehn, rauche vielleicht etwas mehr als sonst, aber ich schaffe es über den Tag zu kommen :) Am Abend denke ich dann immer ob ich morgen schon zur Arbeit soll oder krankmelden, da es mir zuviel ist. Aber ich schaffe es in den Momenten sogar daran zu denken, dass das erst Morgen ist und jetzt noch Heute ist (großer Fortschritt für mich :D ) und am nächsten Tag stehe ich dann auf und gehe meiner Arbeit nach ;)

Und vor ein paar Abenden ging es mir beschissen schön, wenn man das so sagen mag^^ Also mir ging es richtig dreckig, aber das fühlte sich gleichzeitig so schön an, da es echte Emotionen waren, es hat sich einfach so echt angefühlt und war eben nicht mehr gedrückt vom Abilify :)

Mit dem Gedächtnis geht es auch langsam wieder Bergauf :) Anfangs war das richtig schlimm, ich begann etwas zu sagen und mittendrinn... ... ... Was wollte ich gerade sagen? Ich habe einfach den Faden verloren^^ Geht wieder besser ;)

Ich merke mich halt mehr/besser. Kleine Anektode zu gestern: Mich wollten die Carabinieri aufhalten - allgemeine Verkehrskontrolle. Wollten daher, da ich einfach weiterfuhr. Ich tat so als würde ich sie nicht gesehen haben (ach ja.. Mein fehlender Respekt vor denen^^) und fuhr weiter, bis sie mit Blaulicht hinter mir waren. Dann fuhr ich rechts ran. Es ist halt, ich fragte mich immer, wie ich in so einer Situation reagieren würde, ihr wissts ja, ich und Carabinieri... Verträgt sich nicht gut... Wurde noch nie aufgehalten bei einer Verkehrskontrolle, somit hätte alles passieren können: Vom Durchdrehen und "A.C.A.B." schreien, bis hin zum ruhig bleiben und einfach anhalten. Es wurde somit ein nicht stehenbleiben, bis sie hinter mir waren. Nicht gut, aber hätte auch schlechter sein können^^ (immerhin keinen Mittelfinger gezeigt, somit schonmal Fortschritt ;) ). Ich zitterte halt vor Aufregung, Nerven waren eh schon den ganzen Tag angespannt, generelle Aufregung bei Kontrolle, dann noch das nicht stehenbleiben... Ich zitterte echt extrem. Bis zum Schluss war die Anspannung so groß, dass ich anfing herumzukauen als wäre ich auf Ecstasy. Angefangen bei ein kleines Bisschen kauen bis wirklich hin zum Kiefermalen. Fand ich irgendwie interessant diese Beobachtung^^ Bis zum Schluss passierte aber nicht viel. Ich sollte halt, nachdem der Eine mit Führerschein und Fahrzeugpapieren zurückkam, meinen Kofferraum öffnen, dann noch meinen Rucksack entleeren (hatte viel Spaß dabei zu erklären, warum ich 4 Handys mit mir rumschleppe xD), sie fanden aber nichts und ließen mich weiterfahren :)

War das dumm? Definitiv!
Finde ich es lustig? Irgendwie ja, zugegeben :D
Was nehme ich mir fürs nächste Mal mit? Ich muss nicht sofort stehenbleiben. Ich fahr einfach weiter, Atme einmal ein und aus und fahre dann rechts ran. Also ein paar Meter später, aber ich warte nicht nochmal darauf, dass sie mit Blaulicht hinter mir sind... Es ist halt, ich kann nicht auf Aufforderung von denen stehenbleiben, weil mir einfach der Respekt fehlt (woran sie selbst Schuld sind mit dem Nichtsgetue von damals - ist schonmal ein Fortschritt, dass ich es nur noch gegen die Carabinieri habe und nicht Polizei im Allgemeinen ;) ). Sprich ich brauche zwischen Aufforderung und Stehenbleiben einen kurzen Moment, um von dem hohen Ross runterzukommen, wieder klar zu denken sozusagen. Zur Vernunft zu kommen, wenn man so will. Ich denke mir halt, besser etwas später stehenbleiben, aber dafür halt stehenbleiben, anstatt zu warten, dass die mir wieder nachfahren^^

Gestern wusste ich noch nicht, ob ich über diese Situation lachen oder weinen sollte, weil mein Nervensystem durch die Decke schoss. Aber heute kann ich darüber lachen, meine Dummheit darauf belastet mich auch nicht mehr so wie gestern :)

Also es geht und tut sich was bei mir ;)

Beste Grüße,
@dissi

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 21 days ago 

na,dein ritt ist auch nicht ohne,alles gute weiterhin und ich hoffe,du bekommst das was du dir vorstellst,es ist dein körper
beste grüße

 21 days ago 

Also... Die Sucht nach Drogen mit Drogen zu bekämpfen, erscheint mir nicht so clever. Aber das ist gesunder Menschenverstand, nicht Fachwissen. Wenn Du sowas begleitet versuchen kannst, sei Dir Glück gewünscht. Obwohl ich natürlich auch an den Profis zweifeln würde... Gibt es bei Euch EX-IN Genesungsbegleiter? Das scheint mir immerhin ein sinnvolles Konzept zu sein.

 20 days ago 

Es ist keine Sucht nach Drogen, sondern eine Suche nach Leben ;) ich kann mich soweit einschätzen, dass es keine Suchtgefahr für mich darstellt. Zudem wenn ich diese Therapie erhalten würde, wäre ich so dankbar dafür und so verantwortungsvoll, dass ich selbst das gelegentliche Kiffen einstellen würde. Ich will eine gute Therapie machen und wieder leben können. Das mag ich mir auf keinen Fall verhunzen :)

Gestern Abend bekam ich eine Mail von meiner Psychiaterin, sie meinte es müssen für diese Therapie gewisse Kriterien erfüllt sein, die ich nicht erfülle. Aber wir reden beim nächsten Termin darüber. Bin echt schon gespannt darauf. Ich mein, es muss nicht zwingend eine Ketamintherapie sein. Wenn es etwas Anderes gibt, was mir mein Leben zurückschenkt, dann bin ich auch offen dafür. Es ist halt try and error dann. Versuchen wir mal das Medikamente... Klappt nicht... Ok, nächstes Medikament... So lange, bis etwas gefunden wird, das mir wirklich hilft. Ooooder wir machen einfach die Ketamintherapie, wo ich mir zu 100% sicher bin, dass sie hilft.

Es fühlt sich für mich halt so an, als wären beide Beine gebrochen und ich sehe den Rollstuhl... 100 Meter von mir entfernt... Also es gibt Hilfe, es gibt etwas, worauf ich anspreche. Ich kann es nur nicht erreichen. Das löst dann natürlich ein Gefühl der Ungerechtigkeit in mir aus. Und des Systemversagens wie damals. Wodurch sich dann wieder leicht der Gedanke bildet: Das System ist nicht da um mir zu helfen, im Gegenteil, es ist da um mich loszuwerden. Weil irgendwann wird das so passieren, wenn ich weiterhin im Stich gelassen werde... Einfach weil es zu viel wird für mich. Was bringt es mir zu leben, wenn ich nicht lebe? Nur zu funktionieren, um zu Arbeiten und Steuern zu zahlen, dass Politiker ihr zu hohes Gehalt daraus beziehen können? Darauf habe ich einfach keine Lust. Wenn ich schon leben "muss" (aus aktueller Sicht ist es wirklich mehr müssen als dürfen), dann will ich auch leben, nicht nur funktionieren. Weil sonst kann ich es auch gleich lassen!

(Sorry wenn das jetzt nach Drohung klingt, soll es wirklich keine sein, es sieht für mich nur aktuell so aus, wenn ich zuviel darüber nachdenke.... Und um Wind aus den Segeln zu lassen: Ich habe zur Zeit weder Intention etwas zu machen, noch einen konkreten Plan, wie ich es umsetzen würde, also kein Grund zur Sorge. Dann gibt es auch noch meinen Sohn, wo es mir das Herz brechen würde, wenn er ohne Vater aufwachsen muss. Also soweit mal safe würde ich sagen)

Was ist ein EX-IN Genesungsbegleiter? Das habe ich noch nie gehört...

 20 days ago 

Guten Morgen! Ich denke, so einfach kannst Du Deine Sucht und Dein Defizit an Lebensfreude nicht trennen. Durch das eine ist Deine Erwartungshaltung so unnatürlich hoch, daß nur immer neue Kicks Dich so stimulieren, daß Du Dich fühlen kannst. Das ist übrigens nicht nur bei stofflichen Abhängigkeiten so - frag' Spielsüchtige oder Extremsportler...

Es gibt auch meiner Meinung nach kein Patentrezept, das für alle paßt. DEN EINEN Weg in ein entspanntes und gesundes Leben. Ich schließe darum gar nicht aus, daß für Dich so eine Ketaminbehandlung den gewünschten Effekt bringen könnte. Aber ich halte diesen ANsatz für falsch.

EX-IN ist ein Konzept, daß aus Amerika stammt (glaube ich). Im groben geht es darum, daß Abhängige einen psychologischen Ausbildungsprozeß durchlaufen, sich selber dadurch besser verstehen lernen und ihre Erfahrung an Leute im aktiven Konsum oder mit Suchtdruck weiter geben. Stell Dir einfach vor, daß Du nicht mehr das Gefühl hast, Dein Therapeut kann Dich gar nicht verstehen, weil er nie in Deiner Situation war, weil er nie gefühlt hast, was Du fühlst. Bei Ex-In weißt Du: Dein Gegenüber kennt das alles. Und hat es hinter sich gelassen. Sieht und fühlt Dich aber dabei.

In Italien bietet das z.B. La Strada an, die sitzen in Bozen. Oder Ariadne. Lies Dich in das Konzept gerne 'mal rein - ich empfehle es Dir, weil ich im Umfeld sehr gute Eindrücke davon habe.

https://ex-in.de/ueber-ex-in/

 20 days ago 

Zugegeben, wenn ich zurückdenke, wann ich ein Gefühl von Glücklichsein hatte, dann war das mit Substanzen. Jetzt rückblickend sage ich dazu, ja, es kann sich wie Glücklichsein angefühlt haben, aber es war halt kein "natürliches" Glücklichsein. Da gibt es einen Unterschied.

Hey, La Strada kenne ich, da arbeitet mein damaliger Psychologe :) Aber das Konzept klingt echt interessant ;) Danke :)