🚨 𝗚𝗘𝗧𝗜𝗟𝗚𝗧𝗘 𝗗𝗗𝗥-𝗚𝗘𝗦𝗖𝗛𝗜𝗖𝗛𝗧𝗘 – 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟯:

in #deutsch7 hours ago

𝗗𝗲𝗿 𝗞ü𝗵𝗹𝘀𝗰𝗵𝗿𝗮𝗻𝗸, 𝗱𝗲𝗿 𝗱𝗶𝗲 𝗪𝗲𝗹𝘁 𝘃𝗲𝗿ä𝗻𝗱𝗲𝗿𝘁𝗲 – 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗲𝗻 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗸𝗲𝗻𝗻𝘁 🧊

𝗪𝗮𝘀 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝘄𝗲𝗶ß, 𝗺𝗮𝗰𝗵𝘁 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲𝗻 𝗵𝗲𝗶ß: 𝗪𝗶𝗲 𝘀𝗶𝗲𝗯𝗲𝗻 𝘄𝗲𝘀𝘁𝗱𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵𝗲 𝗞𝗼𝗻𝘇𝗲𝗿𝗻𝗲 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗗𝗗𝗥-𝗙𝗶𝗿𝗺𝗮 𝘇𝗲𝗿𝘀𝘁ö𝗿𝘁𝗲𝗻, 𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻 𝗘𝗿𝗳𝗶𝗻𝗱𝘂𝗻𝗴 𝘀𝗶𝗲 𝗱𝗮𝗻𝗮𝗰𝗵 𝘀𝗲𝗹𝗯𝘀𝘁 ü𝗯𝗲𝗿𝗻𝗮𝗵𝗺𝗲𝗻.

Was ich euch heute erzähle, klingt wie ein schlechter Film. Ist aber keiner. Es ist passiert. In Deutschland. Nach der Wende. Es geht um eine kleine Firma aus dem Erzgebirge, die den ersten umweltfreundlichen Kühlschrank der Welt gebaut hat. Um sieben westdeutsche Großkonzerne, die alles daran gesetzt haben, diese Firma zu vernichten. Um eine Treuhand, die den Daumen gesenkt hat. Und um eine Technologie, nach der heute über eine Milliarde Kühlschränke weltweit gebaut werden – nur nicht mehr im Erzgebirge.

𝗗𝗞𝗞 𝗦𝗰𝗵𝗮𝗿𝗳𝗲𝗻𝘀𝘁𝗲𝗶𝗻 – 𝗱𝗶𝗲 𝗙𝗶𝗿𝗺𝗮, 𝗱𝗶𝗲 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗸𝗲𝗻𝗻𝘁

Im November 1989 war der VEB DKK Scharfenstein ein Großbetrieb mit 5.345 Mitarbeitern im erzgebirgischen Scharfenstein. Über eine Million Kühl- und Gefrierschränke pro Jahr. Export in über 30 Länder weltweit. Seit 1931 wurden dort Kühlgeräte gebaut – eine Tradition, die fast sechzig Jahre zurückreichte. Dazu eine eigene Kompressorenproduktion, eigene Forschung, eigenes Know-how. Kein Klitschenbetrieb, sondern ein Unternehmen mit Geschichte und Substanz.

Am 1. Juni 1990 ging DKK in den Besitz der Treuhandanstalt über. Von da an ging es bergab. Die Währungsunion machte die Produkte über Nacht teuer, die westdeutsche Konkurrenz drängte auf den ostdeutschen Markt, die Exportmärkte in Osteuropa brachen zusammen. 1991 machte DKK 70 Millionen D-Mark Verlust bei 71 Millionen Umsatz. Die Treuhand suchte einen Käufer. Keiner wollte – jedenfalls keiner, den die Treuhand akzeptierte. Im Juli 1992 war die Liquidation in Berlin beschlossene Sache.

Und dann passierte etwas, das niemand vorhergesehen hatte.

𝗗𝗲𝗿 𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲 𝗙𝗖𝗞𝗪-𝗳𝗿𝗲𝗶𝗲 𝗞ü𝗵𝗹𝘀𝗰𝗵𝗿𝗮𝗻𝗸 𝗱𝗲𝗿 𝗪𝗲𝗹𝘁 – 𝗮𝘂𝘀 𝗱𝗲𝗺 𝗘𝗿𝘇𝗴𝗲𝗯𝗶𝗿𝗴𝗲

1985 hatten Wissenschaftler das Ozonloch entdeckt. Die Ursache: FCKW – Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die in jedem Kühlschrank der Welt als Kältemittel verwendet wurden. Die Industrie reagierte – aber nicht mit einer echten Lösung, sondern mit einem Ersatzstoff namens R134a, einem FKW, der zwar die Ozonschicht nicht mehr angriff, dafür aber ein starkes Treibhausgas war. Vom Regen in die Traufe.

Auf der Hausgerätemesse Domotechnica im Februar 1991 in Köln fiel den Greenpeace-Leuten auf, dass die Kühlschränke von DKK als einzige auf der ganzen Messe eine FCKW-freie Isolierung aus Polystyrol besaßen. Der Kontakt war hergestellt. Greenpeace hatte die Idee, DKK hatte die Ingenieure. Zusammen mit dem Dortmunder Hygieneinstitut unter Professor Harry Rosin entwickelten sie einen Kühlschrank, der komplett ohne FCKW und ohne FKW funktionierte – mit einer Mischung aus Propan und Butan als Kältemittel. Natürliche Kohlenwasserstoffe. Nicht ozonschädlich. Kaum klimawirksam. Eine Revolution.

Greenpeace investierte 26.000 Mark, damit DKK zehn Prototypen bauen und testen konnte. Der neue Kühlschrank bekam den Namen „Greenfreeze". Und er funktionierte. Einwandfrei.

𝗗𝗶𝗲 „𝗖𝗵𝗹𝗼𝗿𝗿𝗲𝗶𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗦𝗶𝗲𝗯𝗲𝗻" 𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗴𝗲𝗻 𝘇𝘂𝗿ü𝗰𝗸

Für den 16. Juli 1992 war eine gemeinsame Pressekonferenz von Greenpeace und DKK geplant, um den Prototypen der Öffentlichkeit vorzustellen. Am 14. Juli – zwei Tage vorher – verfügte die Treuhand, dass DKK diese Pressekonferenz absagen muss. In Berlin war die Liquidation längst beschlossen. Aber die Treuhand konnte DKK die Pressekonferenz verbieten – nicht aber Greenpeace. Am 16. Juli fand sie trotzdem statt.

Und dann ging es richtig los. Sieben westdeutsche Kühlschrankhersteller – Bosch, Siemens, Liebherr, Miele, Electrolux, AEG und Bauknecht – schlossen sich zusammen. Greenpeace nannte sie die „Chlorreichen Sieben". Sie starteten eine massive Kampagne gegen den Greenfreeze. Das Kältemittel sei „gefährlich", „explosiv", „nicht marktfähig". Propan und Butan in einem Kühlschrank? Lebensgefährlich! Die Konzerne hatten gerade erst Milliarden in die Umstellung auf R134a investiert – und jetzt kam eine kleine Firma aus dem Erzgebirge mit einer besseren Lösung. Das durfte nicht sein.

Gleichzeitig gaben die sieben eine „freiwillige Selbstverpflichtung" ab, FCKW durch R134a zu ersetzen, und verkauften ihre Kühlschränke als „Ökogeräte". R134a – ein Treibhausgas. Aber Hauptsache, die Konkurrenz aus dem Osten war vom Markt.

𝟲𝟱.𝟬𝟬𝟬 𝗩𝗼𝗿𝗯𝗲𝘀𝘁𝗲𝗹𝗹𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻 𝗶𝗻 𝘃𝗶𝗲𝗿 𝗪𝗼𝗰𝗵𝗲𝗻

Greenpeace ließ sich nicht einschüchtern. Sie starteten eine bundesweite Werbekampagne für den Greenfreeze, tourten mit dem Kühlschrank durch die ganze Republik. Die Werbungskosten: 100.000 Mark. Und das Ergebnis: In nur vier Wochen gingen 65.000 Vorbestellungen ein. Darunter eine Großbestellung des Versandhauses Neckermann. 65.000 Bestellungen für einen Kühlschrank aus dem Erzgebirge, den es noch gar nicht in Serie gab. Die Treuhand konnte nicht mehr liquidieren – die öffentliche Aufmerksamkeit war zu groß.

Sogar Bundesumweltminister Klaus Töpfer ließ den Greenfreeze von seinen Experten prüfen. Die kamen nach Sachsen, testeten das Gerät und bestätigten: Funktioniert einwandfrei. Am 8. August 1992 erklärte Töpfer öffentlich, dass die Technik sicher sei.

Am 15. März 1993 verließ der erste Greenfreeze das Werk – der erste Kühlschrank der Welt ohne FCKW und ohne FKW. Produziert nicht von Bosch, nicht von Siemens, nicht von Liebherr. Sondern von einer kleinen Firma aus dem Erzgebirge, die die Treuhand eigentlich hatte plattmachen wollen.

𝗨𝗻𝗱 𝗱𝗮𝗻𝗻?

Dann passierte genau das, was man erwarten konnte. Die „Chlorreichen Sieben" sahen, dass der Greenfreeze ein Erfolg wurde. Und schwenkten um. Bosch, Siemens, Liebherr und Miele brachten plötzlich eigene Modelle mit derselben Technologie auf den Markt. Dieselbe Technik, die sie Monate zuvor als „gefährlich" und „nicht marktfähig" bezeichnet hatten. 1995 verbot die Bundesregierung FCKW komplett – auf Basis genau der Technologie, die DKK Scharfenstein als Erstes entwickelt hatte.

Das Kältemittel – die „Dortmunder Mischung" aus Propan und Butan – war nicht patentiert worden. Jeder konnte es verwenden. Und jeder tat es. Heute sind weltweit über eine Milliarde Kühlschränke nach dem Greenfreeze-Prinzip gebaut worden. Eine Milliarde. Die Technik hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Ozonschicht regeneriert.

Und DKK Scharfenstein? Die Firma wurde in Foron umbenannt, kämpfte noch Jahre ums Überleben, wurde mehrfach umstrukturiert und ging am Ende trotzdem unter. Im ehemaligen Werk betreibt der Verein Historische Kleinkälte Scharfenstein seit 2007 ein Museum. Ein Museum. Da, wo einmal 5.345 Menschen gearbeitet und die Welt verändert haben.

𝗗𝗮𝘀 𝗶𝘀𝘁 𝗱𝗶𝗲 𝗚𝗲𝘀𝗰𝗵𝗶𝗰𝗵𝘁𝗲 𝗱𝗲𝗿 𝗪𝗶𝗲𝗱𝗲𝗿𝘃𝗲𝗿𝗲𝗶𝗻𝗶𝗴𝘂𝗻𝗴 𝗶𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗺 𝗞ü𝗵𝗹𝘀𝗰𝗵𝗿𝗮𝗻𝗸

Eine DDR-Firma erfindet etwas, das die Welt verändert. Sieben westdeutsche Konzerne bekämpfen sie mit allen Mitteln. Die Treuhand will liquidieren. Die Firma überlebt knapp, dank Greenpeace und 65.000 Vorbestellungen. Dann übernehmen die Westkonzerne dieselbe Technologie, die sie vorher als gefährlich bezeichnet haben. Die DDR-Firma geht trotzdem unter. Die Konzerne verdienen Milliarden.

Wer das liest und immer noch glaubt, die Treuhand habe „das Beste draus gemacht" und die DDR-Wirtschaft war „nur Schrott" – dem ist nicht zu helfen. Hier wurde nicht saniert. Hier wurde eine Firma beseitigt, die der westdeutschen Industrie gefährlich geworden wäre. Und die Technik hat man sich danach einfach genommen. Ohne Danke. Ohne Lizenzgebühr. Ohne ein einziges Wort der Anerkennung.

𝘌𝘪𝘯𝘦 𝘬𝘭𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘍𝘪𝘳𝘮𝘢 𝘢𝘶𝘴 𝘥𝘦𝘮 𝘌𝘳𝘻𝘨𝘦𝘣𝘪𝘳𝘨𝘦 𝘩𝘢𝘵 𝘥𝘪𝘦 𝘖𝘻𝘰𝘯𝘴𝘤𝘩𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘨𝘦𝘳𝘦𝘵𝘵𝘦𝘵. Ü𝘣𝘦𝘳 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘔𝘪𝘭𝘭𝘪𝘢𝘳𝘥𝘦 𝘒ü𝘩𝘭𝘴𝘤𝘩𝘳ä𝘯𝘬𝘦 𝘸𝘦𝘭𝘵𝘸𝘦𝘪𝘵 𝘣𝘢𝘴𝘪𝘦𝘳𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘧 𝘪𝘩𝘳𝘦𝘳 𝘛𝘦𝘤𝘩𝘯𝘰𝘭𝘰𝘨𝘪𝘦. 𝘜𝘯𝘥 𝘩𝘦𝘶𝘵𝘦 𝘴𝘵𝘦𝘩𝘵 𝘥𝘰𝘳𝘵 𝘦𝘪𝘯 𝘔𝘶𝘴𝘦𝘶𝘮. 𝘞𝘦𝘯𝘯 𝘥𝘢𝘴 𝘬𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘨𝘦𝘵𝘪𝘭𝘨𝘵𝘦 𝘎𝘦𝘴𝘤𝘩𝘪𝘤𝘩𝘵𝘦 𝘪𝘴𝘵, 𝘥𝘢𝘯𝘯 𝘸𝘦𝘪ß 𝘪𝘤𝘩 𝘢𝘶𝘤𝘩 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵.

Wusstet ihr davon? Habt ihr einen DKK- oder Foron-Kühlschrank gehabt? Oder kennt jemand jemanden, der dort gearbeitet hat? Schreibt es in die Kommentare – diese Geschichte verdient es, erzählt zu werden. ❤️

𝗡𝗼𝗰𝗵 𝗲𝗶𝗻 𝗪𝗼𝗿𝘁 𝗶𝗻 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝗲𝗿 𝗦𝗮𝗰𝗵𝗲 😊

Alle Fakten in diesem Beitrag sind mehrfach recherchiert und gegengeprüft – unter anderem anhand der Greenpeace-Chronik, der Firmengeschichte von DKK/Foron und wissenschaftlicher Aufarbeitungen. Wenn trotzdem etwas nicht stimmt, schreibt es in die Kommentare. Bei solchen Themen muss jedes Detail sitzen.

Was allerdings gar nicht geht: Pöbeln, beleidigen und den Anstand vergessen. Eigentlich waren die Ossis ja immer nett zueinander, aber manchmal verirrt sich jemand hierher, der seine guten Manieren wohl im Gefrierfach vergessen hat. Wer so auftritt, wird blockiert und von dieser Seite entfernt – samt allem was er hier veröffentlicht hat. Solche Menschen sind hier nicht willkommen. Alle anderen: Herzlich willkommen, der Kühlschrank läuft noch! 🤝

Alle Beiträge auf dieser Seite sind selbst recherchiert und selbst geschrieben. Wer diesen oder andere Beiträge von uns in leicht abgeänderter Form auf anderen Seiten wiederfindet, der darf gerne auf dieses Original hier verweisen. Es gibt leider genug Seitenbetreiber, die sich ihre Inhalte im Internet zusammenklauen, weil sie offenbar nicht in der Lage sind, selbst zu recherchieren und eigene Beiträge zu verfassen. Schon traurig, wenn man eine Plattform betreibt und nicht mal einen eigenen Gedanken zu Papier bringen kann. Wir machen das hier anders.

Die Bilder sind KI-generiert und haben Symbolcharakter – nicht mehr und nicht weniger. DDR-Fahne und Wappen sind hier ein Augenzwinkern, oftmals versteckt, und kein politisches Manifest. Das verstehen alle, die damals groß geworden sind. Findest du das DDR-Wappen auch im Bild? 😉


Veröffentlicht mit Welako