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Heute vor 81 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichnete die Wehrmacht die bedingungslose Kapitulation. Sechs Jahre Krieg, Ìber 60 Millionen Tote, ein halber Kontinent in TrÌmmern. Der Nationalsozialismus war besiegt. Die Konzentrationslager befreit. Die TodesmÀrsche gestoppt. Die Bomben verstummt.
Und heute? Heute ist ein ganz normaler Donnerstag. Kein Feiertag. Kein Gedenktag. Kein Innehalten im Bundestag. Kein Moment der Stille. Die Nachrichten berichten Ìber Wirtschaftsdaten und Koalitionsverhandlungen. In den Schulen lÀuft der regulÀre Unterricht. Und die meisten Menschen unter vierzig wissen nicht einmal, was am 8. Mai passiert ist.
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Die DDR hat den 8. Mai von Anfang an als âTag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus" begangen. Am 21. April 1950 beschloss die Volkskammer ein Gesetz, das den 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag erklÀrte. Von 1950 bis 1967 war er arbeitsfrei. Danach wurde er als Gedenktag weitergefÃŒhrt, in den groÃen JubilÀumsjahren 1975 und 1985 wieder als voller Feiertag.
Ja, natÃŒrlich hatte das auch eine politische Seite. Die Sowjetunion wurde als Befreierin gefeiert, der Beitrag der westlichen Alliierten kam zu kurz, und der Staat nutzte den Tag auch fÃŒr seine eigene Legitimation. Das gehört zur Wahrheit dazu. Aber etwas anderes gehört auch dazu: Es gab in der DDR ein Bewusstsein dafÃŒr, was an diesem Tag passiert ist. In den Schulen wurde darÃŒber gesprochen. An den GedenkstÀtten wurden Blumen niedergelegt. Alte Menschen erzÀhlten ihre Geschichten. Und selbst wer den Pflichtfeiertag als Pflicht empfand â dem war bewusst, worum es ging. Man hat die Befreiung nicht vergessen. Man durfte sie nicht vergessen.
Und der eine oder andere hat an diesem Tag auch wirklich innegehalten. Hat an die GroÃeltern gedacht, die den Krieg erlebt haben. An die StÀdte, die in Schutt und Asche lagen. An die Menschen, die nicht zurÃŒckkamen. Pflichtfeiertag hin oder her â manche Pflichten sind richtig.

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Und im Westen? Da hat man den 8. Mai Jahrzehnte lang ignoriert. Nicht vergessen â ignoriert. CDU-Vertreter erklÀrten wörtlich: âNiederlagen feiert man nicht." Und: âSchande und Schuld verdienen keine WÃŒrdigung." Erst 1970 â fÃŒnfundzwanzig Jahre nach Kriegsende â gab es unter Willy Brandt die erste offizielle RegierungserklÀrung zum 8. Mai im Bundestag. Und selbst die fand nicht als eigenstÀndige Gedenkveranstaltung statt, sondern als letzter Tagesordnungspunkt einer regulÀren Sitzung.
Es brauchte weitere fÃŒnfzehn Jahre, bis Richard von WeizsÀcker 1985 seine berÃŒhmte Rede hielt und den 8. Mai erstmals als âTag der Befreiung" bezeichnete. Vierzig Jahre hatte die Bundesrepublik gebraucht, um das auszusprechen, was die DDR ab dem ersten Tag gesagt hatte: Dieser Tag war eine Befreiung. Nicht nur fÃŒr die Besiegten â fÃŒr alle.
Und heute? 2026? Der 8. Mai ist in der gesamten Bundesrepublik kein gesetzlicher Feiertag. Berlin hat ihn 2020 zum 75. und 2025 zum 80. Jahrestag einmalig zum Feiertag erklÀrt â einmalig, wohlgemerkt, nicht dauerhaft. Und nur in Berlin. Im Rest der Republik war auch am 80. Jahrestag des Kriegsendes â einem der wichtigsten Daten der deutschen Geschichte â ein ganz normaler Arbeitstag. Kein freier Tag, kein Gedenken in den Schulen, nichts. 15 von 16 BundeslÀndern haben den Tag behandelt wie jeden anderen Donnerstag. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Am 80. Jahrestag der Befreiung von der schlimmsten Diktatur die dieses Land hervorgebracht hat, hatten nur die Berliner frei. Der Rest des Landes ging arbeiten.
Letztes Jahr gab es immerhin eine Gedenkstunde im Bundestag â mit einer Rede des BundesprÀsidenten. Dieses Jahr? Nichts. Man gedenkt also nur an runden Jahrestagen. Als hÀtten die Toten in den Jahren dazwischen weniger gelitten.
Mecklenburg-Vorpommern hat den 8. Mai seit 2002 als Gedenktag, Brandenburg seit 2015, Bremen seit 2020, Hamburg seit 2022, Sachsen seit 2025. Der Rest des Landes? Schweigt. In Frankreich, den Niederlanden, Tschechien, der Slowakei und Italien ist der 8. Mai ein gesetzlicher Feiertag. Jedes Jahr. Nicht nur an runden Jahrestagen. Nicht nur in der Hauptstadt. Ãberall und immer. In Deutschland nicht.
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Es ist eine neue Generation herangewachsen. Eine, die den Krieg nur aus dem Geschichtsunterricht kennt â wenn er denn stattfindet. Eine, fÃŒr die der 8. Mai ein Datum ist wie jedes andere. Eine, die nicht mehr weiÃ, was in Auschwitz, in Buchenwald, in RavensbrÃŒck passiert ist. Nicht weil sie dumm wÀre. Sondern weil niemand mehr darÃŒber spricht.
Und wenn doch jemand darÃŒber spricht, wenn jemand sagt: âWir sollten diesen Tag nicht vergessen", dann wird er in eine Ecke gestellt. Dann heiÃt es: âEwig Gestriger." Oder: âPutin-Versteher." Weil man offenbar nicht mehr an die Befreiung durch die Rote Armee erinnern darf, ohne dass einem unterstellt wird, man befÃŒrworte den heutigen Kreml. Als könnte man die historische Leistung der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg nicht anerkennen, ohne gleichzeitig die Politik eines anderen Jahrhunderts gutzuheiÃen. Als gÀbe es kein Dazwischen. Nur Schwarz oder WeiÃ. Nur Putin-Versteher oder Nazi. Nur Schublade links oder Schublade rechts.
27 Millionen SowjetbÃŒrger sind im Zweiten Weltkrieg gestorben. Siebenundzwanzig Millionen. Mehr als jedes andere Land. Daran zu erinnern ist kein politisches Statement. Das ist Geschichte. Und Geschichte verschwindet nicht, nur weil sie manchen unbequem geworden ist.
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Der Autor dieser Seite ist der Meinung: Der 8. Mai ist kein Tag zum Feiern. Er ist ein Tag zum Innehalten. Ein Tag, an dem man sich einen Augenblick Zeit nimmt â und sei es nur die wenigen Minuten, die man braucht um diesen Beitrag zu lesen â um an das zu denken, was passiert ist. An die Millionen, die ermordet wurden. An die StÀdte, die brannten. An die Familien, die auseinandergerissen wurden. An die Kinder, die nie erwachsen werden durften. An die Soldaten auf allen Seiten, die in einem Krieg starben, den sie nicht gewollt haben.
Man muss heute keine Blumen an ein Denkmal legen. Man muss keine Rede halten und keine Schweigeminute organisieren. Aber man kann einen Moment stillstehen. Man kann an die eigenen GroÃeltern denken, die den Krieg erlebt haben. An die Geschichten, die sie erzÀhlt haben â oder die sie nie erzÀhlen konnten, weil es zu schmerzhaft war. Man kann sich fragen, ob man aus der Geschichte gelernt hat. Und ob die Antwort darauf im Jahr 2026 noch dieselbe ist wie vor zwanzig Jahren.
In der DDR war der 8. Mai ein Pflichtfeiertag. Manche empfanden ihn als Pflicht. Aber manche hielten an diesem Tag wirklich inne. Und vielleicht â nur vielleicht â war dieser Pflichtfeiertag ehrlicher als das Schweigen, das heute an seine Stelle getreten ist.
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Die Bilder sind KI-generiert und haben Symbolcharakter â nicht mehr und nicht weniger. DDR-Fahne und Wappen sind hier ein Augenzwinkern, oftmals versteckt, und kein politisches Manifest. Das verstehen alle, die damals groà geworden sind. Findest du das DDR-Wappen auch im Bild? ð
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#ddr #ostalgie #ddr20 #holgererzÀhlt
Veröffentlicht mit Welako