🚚 𝗚𝗘𝗧𝗜𝗟𝗚𝗧𝗘 𝗗𝗗𝗥-𝗚𝗘𝗊𝗖𝗛𝗜𝗖𝗛𝗧𝗘 – 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟎:

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𝗗𝗮𝘀 𝗞𝗌𝗺𝗯𝗶𝗻𝗮𝘁 𝗠𝗶𝗞𝗿𝗌𝗲𝗹𝗲𝗞𝘁𝗿𝗌𝗻𝗶𝗞 𝗘𝗿𝗳𝘂𝗿𝘁 💟

𝟱𝟲.𝟬𝟬𝟬 𝗠𝗶𝘁𝗮𝗿𝗯𝗲𝗶𝘁𝗲𝗿, 𝗲𝗶𝗎𝗲𝗻𝗲 𝗖𝗵𝗶𝗜𝗶𝗻𝗱𝘂𝘀𝘁𝗿𝗶𝗲 𝘂𝗻𝘁𝗲𝗿 𝗧𝗌𝘁𝗮𝗹𝗲𝗺𝗯𝗮𝗿𝗎𝗌 – 𝘇𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗎𝗲𝗻. 𝗚𝗻𝗱 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲 𝘇𝗮𝗵𝗹𝘁 𝗗𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗻𝗱 𝟱 𝗠𝗶𝗹𝗹𝗶𝗮𝗿𝗱𝗲𝗻 𝗘𝘂𝗿𝗌 𝗊𝘂𝗯𝘃𝗲𝗻𝘁𝗶𝗌𝗻𝗲𝗻 𝗮𝗻 𝗧𝗮𝗶𝘄𝗮𝗻, 𝗱𝗮𝗺𝗶𝘁 𝘄𝗶𝗲𝗱𝗲𝗿 𝗖𝗵𝗶𝗜𝘀 𝗶𝗻 𝗊𝗮𝗰𝗵𝘀𝗲𝗻 𝗎𝗲𝗯𝗮𝘂𝘁 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲𝗻. 𝗠𝗮𝗻 𝗞𝗮𝗻𝗻 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗮𝘂𝘀𝗱𝗲𝗻𝗞𝗲𝗻.

Es gibt Geschichten, bei denen man denkt: Das kann nicht stimmen. Das muss ÃŒbertrieben sein. Die Geschichte des Kombinats Mikroelektronik Erfurt ist so eine. Sie handelt von einem kleinen Land, das unter dem hÀrtesten Technologieembargo der Nachkriegszeit eine eigene Chipindustrie aufgebaut hat – mit 56.000 Mitarbeitern, eigenen Prozessoren, eigenen Speicherchips, eigenen Fabriken. Und dann kam die Treuhand und hat das Ganze zerschlagen. Und 35 Jahre spÀter zahlt die Bundesregierung 5 Milliarden Euro Subventionen an einen taiwanesischen Konzern, damit in Sachsen wieder Chips gebaut werden. Mit 2.000 Mitarbeitern statt 56.000. Man kann sich das wirklich nicht ausdenken.

𝗗𝗶𝗲 𝗗𝗗𝗥 𝗯𝗮𝘂𝘁𝗲 𝗖𝗵𝗶𝗜𝘀 – 𝘂𝗻𝘁𝗲𝗿 𝗘𝗺𝗯𝗮𝗿𝗎𝗌

Seit 1949 regelte das CoCom – Coordinating Committee for East West Trade Policy – den Export westlicher Technologien in sozialistische Staaten. Auf Initiative der USA wurde der Zugang zu modernen Technologien systematisch verhindert – insbesondere in den Bereichen Mikroelektronik, Computertechnik und Halbleiterfertigung. Kein westlicher Konzern durfte der DDR Chipfertigungsanlagen, Lithografiemaschinen oder WaferbearbeitungsgerÀte verkaufen. Kein Transistor, kein Implanter, keine Belichtungsanlage. Totales Embargo.

Und was hat die DDR gemacht? Sie hat alles selbst gebaut.

Das Kombinat Mikroelektronik Erfurt – mit Stammwerk am heutigen Erfurter Funkwerk – war das HerzstÃŒck der DDR-Chipindustrie. 56.000 BeschÀftigte in 17 Betrieben, verteilt ÃŒber die gesamte DDR. In Erfurt das Stammwerk mit der Halbleiterfertigung. In Frankfurt an der Oder das Halbleiterwerk, das 1989 allein 110 Millionen integrierte Schaltkreise produzierte. In MÃŒhlhausen der VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck", der den Heimcomputer KC 85 baute. In Dresden das Zentrum fÃŒr Mikroelektronik, wo die Chipentwicklung stattfand. In Freiberg der VEB Spurenmetalle fÃŒr das Reinstsilizium. In NÃŒnchritz das Chemiewerk fÃŒr die Waferproduktion. Eine komplette Wertschöpfungskette – vom Rohsilizium bis zum fertigen Chip. Alles im eigenen Land. Alles unter Embargo.

𝗗𝗲𝗿 𝗠𝗲𝗎𝗮𝗯𝗶𝘁-𝗖𝗵𝗶𝗜

Und dann kam das Prestigeprojekt, an dem sich die DDR messen lassen wollte: der 1-Megabit-Speicherchip. In Erfurt und Dresden wurde jahrelang daran gearbeitet. Unter extremen Bedingungen – ohne westliche Maschinen, ohne westliches Know-how, ohne Zugang zu den ReinrÀumen und Fertigungsanlagen, die Intel, Siemens und Toshiba selbstverstÀndlich zur VerfÃŒgung standen.

1988 war es soweit: Die DDR prÀsentierte den U61000, einen funktionsfÀhigen 1-Megabit-DRAM-Speicherchip. 1989 folgte der U80701, ein 32-Bit-Prozessor. Die Erfurter Fabrik ESO I erreichte 1984 Strukturbreiten von 3 Mikrometern, ESO II 1988 bereits 2,5 Mikrometer, und die neue Fabrik ESO III war fÃŒr 1,5 Mikrometer auf 5-Zoll-Wafern ausgelegt – Produktionsstart 1990.

War die DDR technologisch auf Weltniveau? Nein. Der RÃŒckstand betrug je nach Bereich ein bis zwei Chipgenerationen, drei bis acht Jahre hinter den MarktfÃŒhrern. Aber man muss sich klarmachen, unter welchen Bedingungen dieser RÃŒckstand entstanden war: komplett abgeschnitten von westlicher Technologie, ohne Zugang zu internationalen Forschungsnetzwerken, mit einem Bruchteil des Budgets, das Intel oder Siemens zur VerfÃŒgung hatten. Und trotzdem – ein funktionsfÀhiger Megabit-Chip. Von einem Land mit 17 Millionen Einwohnern. Unter Totalembargo.

𝗗𝗶𝗲 𝗧𝗿𝗲𝘂𝗵𝗮𝗻𝗱 𝗞𝗌𝗺𝗺𝘁

Nach der Wende wurde das Kombinat aufgelöst. Das Stammwerk in Erfurt wurde zur ERMIC GmbH, die ÃŒbrigen 17 Betriebe in die Treuhand-Holding PTC-electronic AG ÃŒberfÃŒhrt. Die Treuhand sollte privatisieren oder abwickeln. Was dann passierte, beschreibt die Wikipedia nÃŒchtern: „Die Betriebe arbeiteten weitgehend unökonomisch und nach einigem Hin und Her beschloss die Treuhandanstalt die Auflösung der PTC-electronic AG."

56.000 ArbeitsplÀtze. Aufgelöst. Nicht umstrukturiert, nicht saniert, nicht in ein westliches Unternehmen integriert – aufgelöst. Ein paar Betriebe wurden privatisiert, der Rest liquidiert. Der Prozess zog sich bis 2004 hin. FÃŒnfzehn Jahre Abwicklung fÃŒr etwas, das Jahrzehnte aufgebaut worden war.

Die Ingenieure, die unter Embargo eigene Chips entwickelt hatten? Arbeitslos. Die Reinraumtechniker, die mit selbstgebauten Maschinen Wafer bearbeitet hatten? Arbeitslos. Die Physiker, die aus dem Nichts eine Halbleiterindustrie geschaffen hatten? Arbeitslos. Oder im Westen, wo sie ihre Expertise bei Siemens, Infineon und Bosch einbrachten – ohne dass jemals erwÀhnt wurde, wo sie ihr Wissen her hatten.

𝗚𝗻𝗱 𝗵𝗲𝘂𝘁𝗲?

Und jetzt kommt die Pointe, die so bitter ist, dass man nicht weiß ob man lachen oder weinen soll.

Im Dezember 2024 gab die Bundesregierung den offiziellen Startschuss fÃŒr den Bau einer neuen Chipfabrik in Dresden – die ESMC, ein Gemeinschaftsunternehmen von TSMC aus Taiwan, Bosch, Infineon und NXP. Investitionsvolumen: ÃŒber 10 Milliarden Euro. Davon 5 Milliarden Euro Subventionen aus dem Bundeshaushalt. FÃŒnf Milliarden Euro Steuergelder, damit ein taiwanesischer Konzern in Sachsen Chips baut.

Die Fabrik soll 2.000 ArbeitsplÀtze schaffen. 2.000. Das Kombinat Mikroelektronik Erfurt hatte 56.000. Die Bundesregierung zahlt also 5 Milliarden Euro, um 3,5 Prozent der ArbeitsplÀtze wiederherzustellen, die die Treuhand vor 35 Jahren vernichtet hat. Und MinisterprÀsident Kretschmer fÀhrt nach Taiwan und sagt: „Wir mÃŒssen in Deutschland aufwachen." Aufwachen? Die DDR war wach. Die DDR hatte eine eigene Chipindustrie. In Erfurt. In Frankfurt an der Oder. In Dresden. In MÃŒhlhausen. In Freiberg. Die Treuhand hat sie eingeschlÀfert.

Und das Bundeswirtschaftsministerium nennt die TSMC-Ansiedlung einen „bedeutenden Meilenstein fÃŒr den Industrie- und Technologiestandort Deutschland". Einen Meilenstein. 35 Jahre nachdem man 56.000 Chiparbeiter auf die Straße gesetzt hat. 5 Milliarden Euro Steuergelder fÃŒr eine Fabrik, die ein Bruchteil dessen ist, was in der DDR existiert hat. Und keiner sagt: Moment mal – das hatten wir doch schon. In Erfurt. Umsonst. Selbst gebaut. Unter Embargo.

𝘌𝘪𝘯 𝘓𝘢𝘯𝘥 𝘮𝘪𝘵 17 𝘔𝘪𝘭𝘭𝘪𝘰𝘯𝘊𝘯 𝘌𝘪𝘯𝘞𝘰𝘩𝘯𝘊𝘳𝘯 𝘩𝘢𝘵 𝘶𝘯𝘵𝘊𝘳 𝘛𝘰𝘵𝘢𝘭𝘊𝘮𝘣𝘢𝘳𝘚𝘰 𝘊𝘪𝘯𝘊 𝘊𝘪𝘚𝘊𝘯𝘊 𝘊𝘩𝘪𝘱𝘪𝘯𝘥𝘶𝘎𝘵𝘳𝘪𝘊 𝘢𝘶𝘧𝘚𝘊𝘣𝘢𝘶𝘵. 56.000 𝘔𝘊𝘯𝘎𝘀𝘩𝘊𝘯. 𝘌𝘪𝘚𝘊𝘯𝘊 𝘗𝘳𝘰𝘻𝘊𝘎𝘎𝘰𝘳𝘊𝘯. 𝘌𝘪𝘚𝘊𝘯𝘊 𝘚𝘱𝘊𝘪𝘀𝘩𝘊𝘳𝘀𝘩𝘪𝘱𝘎. 𝘈𝘭𝘭𝘊𝘎 𝘻𝘊𝘳𝘎𝘀𝘩𝘭𝘢𝘚𝘊𝘯. 𝘜𝘯𝘥 35 𝘑𝘢𝘩𝘳𝘊 𝘎𝘱À𝘵𝘊𝘳 𝘻𝘢𝘩𝘭𝘵 𝘮𝘢𝘯 5 𝘔𝘪𝘭𝘭𝘪𝘢𝘳𝘥𝘊𝘯 𝘌𝘶𝘳𝘰, 𝘥𝘢𝘮𝘪𝘵 𝘛𝘢𝘪𝘞𝘢𝘯 𝘊𝘎 𝘧Ì𝘳 𝘶𝘯𝘎 𝘮𝘢𝘀𝘩𝘵. 𝘞𝘊𝘯𝘯 𝘥𝘢𝘎 𝘬𝘊𝘪𝘯𝘊 𝘚𝘊𝘵𝘪𝘭𝘚𝘵𝘊 𝘎𝘊𝘎𝘀𝘩𝘪𝘀𝘩𝘵𝘊 𝘪𝘎𝘵, 𝘥𝘢𝘯𝘯 𝘞𝘊𝘪ß 𝘪𝘀𝘩 𝘢𝘶𝘀𝘩 𝘯𝘪𝘀𝘩𝘵.

Wusstet ihr das? Wusstet ihr, dass die DDR eine eigene Chipindustrie hatte – in Erfurt, direkt um die Ecke? Dass 56.000 Menschen Halbleiter gebaut haben, unter Bedingungen die sich heute kein Intel-Ingenieur vorstellen kann? Und dass man heute 5 Milliarden zahlt, um einen Bruchteil davon wiederzubekommen? Schreibt es in die Kommentare – denn wenn wir es nicht erzÀhlen, steht in den GeschichtsbÃŒchern nur: Die DDR konnte keine Technik. ❀

𝗡𝗌𝗰𝗵 𝗲𝗶𝗻 𝗪𝗌𝗿𝘁 𝗶𝗻 𝗲𝗶𝗎𝗲𝗻𝗲𝗿 𝗊𝗮𝗰𝗵𝗲 😊

Alle Fakten in diesem Beitrag sind recherchiert – unter anderem anhand der Wikipedia-Dokumentation zum Kombinat Mikroelektronik Erfurt, des Stasi-Unterlagen-Archivs zur CoCom-Embargo-Dokumentation, des Bundeswirtschaftsministeriums zur ESMC-Chipfabrik und des Oiger-Technologiemagazins. Der Beitrag verschweigt nicht, dass die DDR-Chipindustrie technologisch ein bis zwei Generationen hinter dem Westen lag. Aber er verschweigt auch nicht, unter welchen Bedingungen sie entstanden ist – und was nach der Wende mit ihr passiert ist.

Was allerdings gar nicht geht: Pöbeln, beleidigen und den Anstand vergessen. Eigentlich waren die Ossis ja immer nett zueinander, aber manchmal verirrt sich jemand hierher, der seinen Anstand wohl im Reinraum vergessen hat. Wer so auftritt, wird blockiert und von dieser Seite entfernt – samt allem was er hier veröffentlicht hat. Solche Menschen sind hier nicht willkommen. Alle anderen: Herzlich willkommen, der Chip ist eingesteckt! 🀝

Alle BeitrÀge auf dieser Seite sind selbst recherchiert und selbst geschrieben. Wer diesen oder andere BeitrÀge von uns in leicht abgeÀnderter Form auf anderen Seiten wiederfindet, der darf gerne auf dieses Original hier verweisen. Es gibt leider genug Seitenbetreiber, die sich ihre Inhalte im Internet zusammenklauen, weil sie offenbar nicht in der Lage sind, selbst zu recherchieren und eigene BeitrÀge zu verfassen. Schon traurig, wenn man eine Plattform betreibt und nicht mal einen eigenen Gedanken zu Papier bringen kann. Wir machen das hier anders.

Die Bilder sind KI-generiert und haben Symbolcharakter – nicht mehr und nicht weniger. DDR-Fahne und Wappen sind hier ein Augenzwinkern, oftmals versteckt, und kein politisches Manifest. Das verstehen alle, die damals groß geworden sind. Findest du das DDR-Wappen auch im Bild? 😉

Übrigens: Was wÀre, wenn die DDR ihre Chipindustrie behalten hÀtte? Wenn Erfurt heute das Silicon Valley Europas wÀre statt auf taiwanesische Subventionen zu warten? Genau darum geht es in meinem Buch. Mehr dazu im ersten Kommentar.

Du willst mehr solcher RÃŒckblicke, die manchmal wehtun, aber auch guttun? Dann bleib hier. Folge dieser Seite. DDR 2.0 – wie es war, wie es hÀtte sein können, und warum wir heute noch darÃŒber lachen.

#ddr #ostalgie #ddr20 #holgererzÀhlt


Veröffentlicht mit Welako

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