𝗗𝗮 𝘄𝗮𝗿 𝗱𝗲𝗿 𝗮𝗹𝘁𝗲 𝗠𝗮𝗻𝗻

in #deutsch6 hours ago

𝗮𝘂𝘀 𝗱𝗲𝗺 𝘁𝗶𝗲𝗳𝗲𝗻, 𝗱𝘂𝗻𝗸𝗹𝗲𝗻 𝗪𝗮𝗹𝗱 𝗻𝗼𝗰𝗵 𝗷𝘂𝗻𝗴 𝘂𝗻𝗱 𝗸𝗻𝗮𝗰𝗸𝗶𝗴. 😎

Na ja, „jung“ ist relativ. Ich war auf diesem Foto bereits 40, genau genommen sogar 41 Jahre alt. Aber verglichen mit heute war ich praktisch noch ein leicht gebrauchter Neuwagen mit frischem TÜV.

Der große Vorteil, wenn man ordentlich mit Gold behangen am Strand herumläuft: Keiner schaut auf den Bauch. In meinem Fall waren es zwei massive Königsketten, daran ein Cartier-Panther, dazu ein schweres Armband, das, glaube ich, mit 25 Brillanten besetzt war. Nur die Rolex hatte ich am Strand grundsätzlich nicht um. Man muss es mit der Zurückhaltung schließlich nicht vollkommen übertreiben.

Was bewirkt so ein Auftritt? Genau: Die Leute schauen nicht auf die Figur, sondern glotzen auf die Goldketten und denken sich: „Junge, Junge, was für ein Angeber!“ Aber glaubt es oder glaubt es nicht, ich habe Schmuck damals wirklich gern getragen. Nicht, um irgendjemandem etwas zu beweisen, sondern weil es mir schlicht gefallen hat. Die Klunker hatte ich mir außerdem selbst erarbeitet. Ich hatte nichts geerbt, nicht im Lotto gewonnen und auch bei keinem Waldspaziergang zufällig einen Koffer voller Geld gefunden. Schade eigentlich, das wäre erheblich weniger anstrengend gewesen.

Heute würde ich so niemals mehr herumlaufen. Nicht, weil mir der Schmuck nicht mehr gefällt, sondern weil ich viel zu viel Angst hätte, dass einem unterwegs jemand die Hand abhackt, um an die Rolex zu kommen, oder einem die Ketten vom Hals reißt. Früher dachte man bei einer schweren Goldkette an Wohlstand. Heute denkt man eher: Hoffentlich komme ich mit vollständiger Halswirbelsäule wieder zu Hause an.

Zu genau dieser Zeit hatte ich einen Niesmann+Bischoff 8000i, ein Porsche Carrera 4 Cabriolet und einen Mercedes 500 SL, natürlich von AMG entsprechend aufgepimpt. Normale Autos wären vermutlich zu unauffällig gewesen. Allein diese drei Fahrzeuge dürften damals zusammen irgendwo zwischen 300.000 und 400.000 Euro gelegen haben. Dazu kamen noch mein US-Van, ein Geländewagen, allerdings eine alte Karre, und unser Boot auf dem Trailer.

So sind wir durch die Gegend gezogen: Ich vorne im Wohnmobil, irgendwelche Freunde hinter mir in den anderen Autos. Eine kleine private Staatskarosse, nur ohne Staat und ohne irgendeinen vernünftigen Grund. Für die Kumpels musste ich selbstverständlich ebenfalls komplett aufkommen und gelegentlich auch noch den Heimflug bezahlen. Da waren 10.000 Euro im Monat praktisch Kleingeld. Und so verdampft dann auch mal ein Millionchen schneller, als man denkt. Geld hat nämlich die erstaunliche Eigenschaft, besonders schnell zu verschwinden, wenn genügend Freunde in der Nähe sind, die einem beim Ausgeben helfen.

Aber es war eine verdammt coole Zeit. Und das Beste daran waren weder die Autos noch die Uhren, die Brillanten oder die Goldketten. Das Beste war, dass ich mit meiner kleinen Familie durch die Weltgeschichte fahren konnte. Mein Sohn war Freilerner, ging also nicht regulär zur Schule, und dadurch konnten wir als kleine Familie unglaublich viel gemeinsam unternehmen. Vor allem konnte ich die Zeit mit meinem Sohn wirklich genießen. Wir hatten ähnliche Interessen, waren ständig zusammen unterwegs und erlebten Dinge, die uns bis heute niemand mehr nehmen kann.

Im Nachhinein betrachtet war genau das der einzige wirklich sinnvolle Zweck des ganzen Geldes. Nicht der Porsche, nicht der Mercedes und auch nicht der Cartier-Panther, der vermutlich mehr wog als manches Haustier. Sondern die gemeinsame Zeit mit meinem Sohn und meiner Familie.

Die Kohle ist heute weg. Aber die Erinnerungen sind noch immer da. Und ehrlich gesagt sind sie heute erheblich wertvoller als alles, was damals in meiner Garage stand oder um meinen Hals hing.

Gewollt war das mit dem vollständigen Verschwinden des Vermögens allerdings nicht ganz. Vor etwa zwölf Jahren habe ich zusätzlich noch eine sechsstellige Summe, im Grunde mein gesamtes restliches Vermögen, gestiftet und gespendet, weil ich überzeugt war, mein letztes Stündchen hätte geschlagen. Mehrere Ärzte hatten mir das bestätigt. Also dachte ich mir: Bevor sich später irgendwelche Leute um das Geld streiten, soll es wenigstens etwas Sinnvolles bewirken.

Und nun ist etwas ausgesprochen Unpraktisches passiert: Ich lebe immer noch. Seit zwölf Jahren. So etwas Blödes aber auch. Da plant man einmal vorausschauend, verteilt sein Vermögen und dann hält sich der eigene Körper einfach nicht an die ärztliche Prognose.

Heute weiß ich jedenfalls: Nichts von diesem ganzen Kram braucht man wirklich. Kein Mensch benötigt mehrere Luxusautos, schwere Goldketten oder eine Uhr, für die andere einen Kleinwagen kaufen. Aber die Zeit mit Menschen, die man liebt, die braucht man. Und wenn man davon genug erlebt hat, ist man am Ende vielleicht doch reicher, als es irgendein Konto anzeigen könnte.


Veröffentlicht mit Welako