Gedanken zum Chinesischen Zimmer - kann KI verstehen? Können Menschen verstehen?

in #deutsch2 months ago

These

Der Philosoph John Searle denkt, dass es grundsätzlich nicht möglich ist oder sein wird, dass Computer uns verstehen können.

Als Beweis führt er das chinesische Zimmer an

Persönliche Meinung zur These

Prinzipiell stimme ich dem Mann zu. Aus den Ausführungen im Video vermute ich aber, dass er davon ausgeht, dass der Mensch selbst verstehen kann. Auch wenn dies nirgends explizit so gesagt wird, kommt dies im Video so rüber. Falls das also so ist, dann ist das ein Punkt an dem ich John Searle nicht folgen kann. Denn ich persönlich bin der Meinung, dass zumindest die große Masse der Menschen ebenso nicht verstehen kann und falls überhaupt, dann können nur sehr wenige Menschen wirklich verstehen.

Ich möchte das wie folgt versuchen zu "beweisen" oder besser zu verargumentieren.

Der Begriff "Liebe" ist für mich mein Leben lang ein abstrakter Begriff geblieben. Ich kann damit in Wirklichkeit nix anfangen. Natürlich kann ich behaupten ich würde jemanden lieben und ich habe dies in meinem Leben auch oft getan, weil Partnerinnen soetwas von mir erwarteten aber in Wirklichkeit wußte ich nie was ich mir darunter vorstellen soll. Ich kenne das Gefühl, dass eine räumliche und zeitliche Entfernung vom Anderen dazu führt, dass man diese Person vermisst. Aber ich vermisse auch manchmal meine Oma - ist das dann schon Liebe?
Ich kenne auch das Gefühl sich alleine in einem Hotelzimmer oder in einem Internatszimmer zu fühlen und sich einsam zu fühlen und sich die Nähe des Partners zu wünschen - aber ist das dann schon Liebe?
Ich kenne auch Zeiten in denen man sich in einer Ehe anschreit und hofft der Andere würde verschwinden und doch möchte man am nächsten Tag nicht alleine aufwachen und sich den Kaffee selber brühen. Nein man steht sogar mit einem schlechten Gewissen auf und macht Kaffee und bringt diesen der Partnerin aber ist das Liebe oder hat man nur ein schlechtes Gewissen?
Die Beispiele lassen sich endlos fortführen aber damit lässt sich scheinbar nix beweisen. Also anders.

Ich kann Differential- und Integralgleichungen lösen. Ich würde sogar behaupten ich verstehe das was ich dabei tue. Aber stimmt das auch?
Eigentlich hat mir doch nur irgendwann mal jemand beigebracht das es Zahlen gibt, dann dass es 4 Grundrechenarten gibt und wie sie funktionieren, das Einmaleins und ähnliche Hilfen um schneller zu werden, Zahlensysteme wie das binäre und das hexadezimale, weitere Renchenarten wie Potenzieren oder Wurzel ziehen, Aussagelogik, und immer mehr und mehr. Bis ich in der Lage war Integrale zu lösen und zu wissen, dass ich damit die Fläche unter der Kurve berechne. Wäre ich da je von alleine drauf gekommen? Nein! Habe ich etwas anderes gemacht als ein neuronales Netz? Nein!

Ich habe mein köpereigenes neuronales Netz auf der Grundlage von Unmengen an Umweltdaten trainiert. Zum großen Teil war es ein überwachtes Training bei dem meine Eltern, meine Lehrer, meine Ausbilder, meine Dozenten die Label für richtig und falsch vergeben haben.
Aber in großen Teilen war es auch ein unüberwachtes Training bei dem ich mich einfach mit Versuch und Fehler durch die Welt bewegt habe. Beipiele: Die erste Bahnfahrt und die falsche Strecke auf dem Ticket, nicht via Köthen sondern via Könnern und das erhöhte Beförderungsentgeld weil ich angeblich versucht habe zu betrügen. Das Sitzen in Bayern im Biergarten beim Bier am Ende der Bank und alle stehen auf. Das sind doch Dinge die "versteht" man aber doch nur weil ein irgendwann mal einer die Hebelgesetze beigebracht hat.

Am prägnantesten finde ich das Beispiel etwas neues schaffen wie eine Diplomarbeit. Habe ich da wirklich neues Wissen erschaffen? Natürlich nicht! Ich habe Wissen aus dem weltweiten Pool an Bibliotheken zu einem bestimmten Thema zusammengetragen. Habe es durchgelesen und versucht zu "verstehen". Aber verstehen hieß nur, ich kann nachvollziehen was der Autor schrieb und ich verstand es weil man mir vorher die Regeln beigebracht hatte. Was habe ich wirklich getan um neues Wissen zu schöpfen? Ich habe gesammeltes Wissen kombiniert und die Kombinationen durch Experimente geprüft: Versuch und Fehler. Nichts anderes tun neuronale Netze beim unkontrollierten Training.

Daher bin ich der Meinung, wenn es einem künstlichen neuronalen Netz nicht möglich sein soll Dinge zu verstehen, dann ist es einem Menschen ebenso wenig möglich.

Die nächste Frage wäre dann, können Tiere "verstehen". Die bisherige vorherrschende Meinung der Menschheit war immer "Nein!" sie können nicht denken, sie können nicht verstehen - das sind alles nur Instinkte. Ich denke der Mensch ist einfach nur arrogant und denkt er wäre eine Ausnahme. Ich aber glaube der Mensch ist keine Ausnahme, er funktioniert genauso wie Tiere oder künstliche neuronale Netze. Und ich finde unter dieser Annahme, ergeben viele Dinge des Alltages plötzlich einen Sinn.