Deutschland auf dem Weg zum Entwicklungsland? Wenn selbst eine Autozulassung zum Hindernis wird
In den vergangenen Jahren habe ich immer häufiger das Gefühl, dass in Deutschland etwas grundlegend schiefläuft. Nicht, weil einzelne Dinge einmal nicht funktionieren – Fehler passieren überall. Sondern weil sich immer mehr kleine Probleme zu einem großen Gesamtbild zusammensetzen.
Heute war es wieder so weit.
Ich wollte ein Fahrzeug zulassen. Früher bedeutete das: Zur Zulassungsstelle fahren, eine Nummer ziehen, warten und anschließend mit Kennzeichen nach Hause fahren.
Heute bedeutet es: Online einen Termin buchen. Der nächste freie Termin? In meinem Fall erst in zwei Wochen.
Zwei Wochen für eine einfache Autozulassung.
Als Alternative wurde mir ein Termin in Borken angeboten. Ich wohne jedoch in Ahaus und besitze genau deshalb noch kein zugelassenes Fahrzeug. Die offensichtliche Frage lautet also:
Wie soll ich mit einem nicht zugelassenen Auto zur Zulassungsstelle in Borken kommen?
Soll ich es ohne Kennzeichen fahren? Natürlich nicht. Also bleibt theoretisch nur ein Anhänger organisieren, jemanden finden, der mich fährt, öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder zwei Wochen warten.
Genau an diesem Punkt frage ich mich ernsthaft, ob bei der Planung solcher Prozesse überhaupt noch jemand darüber nachdenkt, wie diese im Alltag funktionieren sollen.
Digitalisierung sollte Probleme lösen
Seit Jahren wird von Digitalisierung gesprochen.
- Alles soll schneller werden.
- Alles soll einfacher werden.
- Alles soll effizienter werden.
Meine persönliche Erfahrung ist häufig genau das Gegenteil.
Früher konnte man zur Behörde gehen, eine Nummer ziehen und seine Angelegenheit erledigen. Heute gibt es Terminportale, Wartelisten und teilweise Wartezeiten von mehreren Wochen für Vorgänge, die früher am selben Tag erledigt wurden.
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Wenn digitale Prozesse dazu führen, dass Bürger schlechter gestellt sind als vorher, dann wurde das eigentliche Ziel verfehlt.
Deutschland verwaltet sich zunehmend selbst
Deutschland war einmal für effiziente Verwaltung bekannt.
Heute entsteht vielerorts der Eindruck, dass Prozesse wichtiger geworden sind als Ergebnisse.
Es scheint niemand mehr die einfache Frage zu stellen:
Wie lösen wir das Problem für den Bürger?
Stattdessen verweist man auf Zuständigkeiten, Onlineportale und fehlende Termine.
Dabei brauchen die meisten Menschen ihr Auto nicht zum Vergnügen. Sie benötigen es, um zur Arbeit zu fahren, Kinder zur Schule zu bringen oder Arzttermine wahrzunehmen.
Ein schleichender Qualitätsverlust
Es geht dabei nicht nur um die Zulassungsstelle.
In den vergangenen Jahren hatte ich immer häufiger den Eindruck, dass sich viele öffentliche Dienstleistungen verschlechtert haben. Längere Bearbeitungszeiten, mehr Bürokratie und immer mehr Hürden für eigentlich einfache Angelegenheiten.
Natürlich arbeiten dort engagierte Mitarbeiter. Meine Kritik richtet sich deshalb ausdrücklich nicht gegen die Beschäftigten vor Ort, sondern gegen organisatorische und politische Entscheidungen, die zu solchen Zuständen führen.
Wenn eine einfache Autozulassung mittlerweile zwei Wochen Vorlauf benötigt, sollte man sich fragen, ob die Prozesse noch bürgernah gestaltet sind.
Warum akzeptieren wir das eigentlich?
Was mich fast noch mehr wundert als die eigentlichen Probleme, ist die Reaktion vieler Menschen.
Oft hört man nur:
"So ist das eben."
Nein.
Genau diese Einstellung sorgt dafür, dass sich immer mehr verschlechtert, ohne dass jemand Konsequenzen zieht.
Deutschland muss sich nicht mit dem Vergleich zufriedengeben, dass es irgendwo auf der Welt noch schlechter läuft. Unser Anspruch sollte sein, dass Verwaltung funktioniert, pragmatisch handelt und den Bürger unterstützt statt ihn auszubremsen.
Ich habe zunehmend den Eindruck, dass wir uns in vielen Bereichen rückwärts entwickeln. Nicht, weil uns Wissen oder technische Möglichkeiten fehlen würden, sondern weil Entscheidungen getroffen werden, deren praktische Auswirkungen offenbar zu selten hinterfragt werden.
Eine moderne Verwaltung sollte den Alltag erleichtern – nicht komplizierter machen.
Wie seht ihr das?
Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit Behörden gemacht oder funktioniert das in eurer Region deutlich besser? Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare.

Ich hab noch keinen getroffen ;-)
Da fällt mir ein:
Drei Jungs streiten sich auf dem Schulhof darum, wer den schnellsten Vater hat.
Der erste Junge sagt stolz: „Mein Vater ist Formel-1-Fahrer. Wenn der Gas gibt, ist er in drei Sekunden auf Hundert!“
Der zweite Junge winkt ab: „Das ist doch gar nichts! Mein Vater ist Pilot. Der fliegt mit Überschallgeschwindigkeit von Berlin nach New York in nur wenigen Stunden!“
Der dritte Junge grinst und sagt: „Ihr habt ja alle keine Ahnung. Mein Vater ist Beamter. Der hat um 16:00 Uhr Feierabend und ist schon um 15:00 Uhr zu Hause!“