Lauf-Gedanken: Was mir heute Morgen auf LinkedIn und Facebook entgegenkam
Heute früh vor dem Laufen wollte ich checken, wie mein Post zu Indien performt. Was ich stattdessen zu sehen bekam, sagt mehr über den Zustand der deutschen Debatte als jede Statistik.
Fall 1: Jemand aus meinem Netzwerk postet, Pool im Hintergrund, wohl ironisch gemeint: Migranten hätten es gut in Deutschland: Gratis-Fahrräder, Gratis-Hilfe, Gratis-Bibliotheken, finanziert von den “eigentlichen” Deutschen. Darunter: eine Wand aus offenem Hass gegen Migranten. Einer meiner Follower.
Fall 2: Ein Kontakt ersten Grades postet, dass ein CDU-Politiker in Magdeburg eine Spende an die AfD-Wahlkampagne gemacht hat und schreibt dazu, viele CDU-Mitglieder würden im Grunde nicht CDU, sondern AfD wählen. Wieder: dieselbe Kommentarspalte, derselbe Reflex gegen alles, was anders denkt, anders glaubt, mit Akzent spricht.
Wer AfD und Anti-Migrationspolitik unterstützt und dabei Hass gegen Menschen sät, hat in meinem Netzwerk nichts verloren.
Fall 3: offizielle Quelle diesmal - Bayerische Staatszeitung, von Facebook empfohlen. Die Zahl: 37% der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind arbeitslos - die Formulierung allein macht schon die Runde in den Kommentaren: schöne Autos, Restaurantbesuche, Döner, das übliche Repertoire. Was die Statistik nicht sagt - der Großteil dieser Flüchtlinge sind Frauen mit kleinen Kindern. Deren Männer sind in der Ukraine an der Front, nicht hier, nicht erwerbstätig, nicht wählbar als Gegenrechnung. Die Kita-Plätze in Bayern sind knapp, für alle, nicht nur für Zugezogene. Sprachkurse im Eiltempo. Und diese Frauen haben sich das nicht ausgesucht - sie sind nicht hierher gezogen, um hier ihr Leben aufzubauen, sie sind vor einem Krieg geflohen, den Deutschland und alle Steuerzahler mitfinanzieren. Meine Gegenfrage: Wie hoch ist die Erwerbslosenquote deutscher Mütter mit Kindern im Vorschulalter? Diese Zahl würde ich gerne mal nebeneinander sehen.
-- Links ist nicht automatisch besser
Zurück auf LinkedIn, diesmal linke Posts. Klingen auf den ersten Blick gut, wie die rechten auch. Auf den zweiten Blick führen beide ins selbe Ergebnis: Zerrüttung. Bei rechts kennen wir das Muster. Bei links auch - Kuba, UdSSR, Nordkorea, DDR.
Was sich seitdem verändert hat: Linke Bewegungen sind vielerorts zum Vehikel für politischen Islamismus geworden - eine ideologische Bewegung, die über sie Ziele und Werte durchsetzt, die mit den westlichen, aber auch mit linken Grundwerten kaum vereinbar sind. Gleichberechtigung von Mann und Frau ist das offensichtlichste Beispiel: eine Bewegung, die “alle sind gleich” predigt, macht Platz für Strömungen, die das nicht so sehen.
Der 7. Oktober ist der Punkt, an dem diese Instrumentalisierung sichtbar wurde. Und an alle Linken, die Islamisten gegen Israel in Schutz nehmen, habe ich eine direkte Frage: beim Massaker auf dem Nova-Festival haben die Angreifer nicht erst gefragt, ob jemand links oder rechts ist, sie haben jeden getötet, der nicht zu ihnen gehörte, wahllos, ohne Unterschied. Würdet ihr wollen, dass das eurem Partner passiert, eurer Tochter, eurem Sohn, euren Eltern, Freunden, Nachbarn oder allen zusammen, vielleicht auch in Deutschland? Genau das sind die Leute, die ihr gerade verteidigt.
Linke, queere Aktivisten - reist mal zur Solidarität nach Gaza, mit offenen Haaren, Hand in Hand mit der Partnerin. Wie würde es euch dort tatsächlich ergehen? Das ist keine Nebenfrage.
Und dasselbe Muster woanders: Kaschmir-Terrorismus gegen Indien, wiederkehrende Anschläge, das erklärte Ziel bestimmter Gruppen aus Pakistan und Bangladesch, nicht nur Kaschmir, sondern deutlich mehr indisches Territorium (eigentlich wollen sie wohl alles zwischen Pakistan und Bangladesch bis zum Hyderabad nach Süden) zu beanspruchen. Wer diese Methoden unterstützt oder relativiert, ob in Nahost oder Südasien, steht auf der falschen Seite, unabhängig vom sonstigen politischen Programm.
-- Israel: die andere Seite der Geschichte
Israel wurde einmal auf sozialistischen, egalitären Grundwerten mitgegründet - der Kibbuz-Gedanke, Gleichheit unabhängig von Herkunft. Das war der Ausgangspunkt und auch deshalb kam damals Unterstützung aus der Sowjetunion, neben der Geopolitik.
Dann: Rabin, der einen Frieden mit den Palästinensern und eine Zwei-Staaten-Lösung wollte – ohne Kompromiss geht es nicht. Er wurde ermordet, von Anhängern des politischen Lagers, das Israel heute regiert. Seitdem geht die Entwicklung in eine Richtung, die ich beim Namen nenne: Rechtsruck mit faschistoiden Zügen. Man muss sich nur anhören, was Minister wie Ben-Gvir öffentlich über Muslime sagt, und sich fragen, ob das in einer funktionierenden westlichen Demokratie folgenlos bleiben sollte. Bislang bleibt es das.
Und die israelische Gesellschaft selbst ist entlang scharfer Linien geschichtet: wer als Jude gilt, wer Wehrdienst leistet, wer nicht, wer in Israel geboren ist, wer nicht, wer wie lange im Lande wohnt usw. Superreiche in New York, die sich um nichts kümmern. Ultraorthodoxe Rabbiner, die sich von der Wehrpflicht und vielen gesellschaftlichen Pflichten ausnehmen, während sie selbst gesellschaftlich privilegiert bleiben - eine Struktur, die an Kastenwesen erinnert, nicht an eine moderne Demokratie.
Zum 7. Oktober bleiben unbequeme Fragen offen, die bislang niemand befriedigend beantwortet hat: Wie kamen manche Eltern innerhalb einer halben Stunde aus Tel Aviv, um ihre Kinder zu retten, während Armee, Luftwaffe und Panzer stundenlang nicht vor Ort waren? Recherchen der Washington Post und der New York Times haben Fragen dazu aufgeworfen, wie viel Vorwarnung es gab und wie damit umgegangen wurde, inklusive jahrelanger Finanzierungsflüsse über Katar nach Gaza, Vorbereitungen und Übungen zum Angriff vom 7 Oktober, von denen Massad gewarnt und von denen die israelische Regierung Bescheid wusste. Hat die israelische REgierung den 7 Oktober passieren lassen um dann die Unterstützung der Bevölkerung bei neuen Kriegen zu bekommen? Das sind Fragen, keine Antworten. Aber sie verdienen, gestellt zu werden.
-- Der eigentliche Punkt
Sucht euch einen Ort, an dem ihr gut leben könnt - nicht den, den Politiker, Oligarchen oder eine aufgehetzte Mehrheit für euch vorgesehen haben. Wer zu lange in einem System bleibt, das einen als Kanonenfutter behandelt, verliert am Ende mehr als nur Zeit.
Einen guten Tag euch allen. Frieden und alles Gute.
Referenzen:
https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/politik/detailansicht-politik/artikel/das-jobmaerchen.html#topPosition
https://www.facebook.com/share/p/1D6ZitqnuL/


