For last "Keyword of the Week" - NIGHT WATCH / Zum letzten "Schlüsselwort der Woche" - NACHTWACHE
Deutsch im Anschluß...
In the last round, I’d offered an extra prize in case any of you happened to come up with the same spontaneous association with the keyword NIGHT WATCH... Unfortunately, that wasn’t the case.
In the dim light of an old Amsterdam house, it hung on the wall: ‘The Night Watch’. No one knew exactly why it was there – far from the museum’s grand hall, far from prying eyes. Only the thief, a taciturn old man, claimed that the painting had ‘called’ to him.
On the first night his granddaughter spent alone in the house, something strange happened. She was just about to turn off the light when her gaze fell on the figures in the painting. The captain, in his black robe with the red sash, seemed to be looking directly at her. Beside him stood the lieutenant, dressed in light colours, as if he were standing in a light that did not exist in the room at all.
“My imagination,” she murmured. But as the clock struck midnight, she heard a faint sound. A metallic clink. Footsteps. She turned slowly. The painting… was no longer still. The figures were moving.
Very slowly, the captain stepped out of the shadow of the canvas. Behind him followed the others – musketeers, drummers, a little girl with a mysterious gaze. The room filled with a strange, long-gone era. “You can see us,” said the captain calmly. The granddaughter nodded, unable to speak. “Then you are the chosen one.”
He explained to her that Rembrandt van Rijn had done much more than simply paint a picture. He had captured a moment – not just in colour, but in time. Every night, when the world fell silent, the figures were allowed to live on. “But we are bound,” said the lieutenant. “Bound to someone who perceives us.”
From that night onwards, she was no longer alone. Every midnight, the house came to life: marching footsteps, hushed commands, the rustling of fabric and the distant echo of a drum…
But as time went on, she noticed something else: the figures were growing weaker. “We are being forgotten,” said the little girl softly. “And when that happens… we will disappear for good.” The granddaughter knew what had to be done.
The next day, she took the painting back to the Rijksmuseum. People flocked to it, gazed at the work, marvelled at the light and shadow, at the perfection.
The following night, as she looked at it one last time, she noticed a tiny detail: the captain… was smiling. Very slightly.

The Night Watch / Die Nachtwache
Rembrandt van Rijn, 1642
Oil on Canvas / Öl auf Leinwand
363 × 437 cm
Rijksmuseum Amsterdam
Deutsche Version:
In der letzten Runde hatte ich ja einen zusätzlichen Preis ausgelobt für den Fall, daß jemand von Euch zufällig die gleiche spontane Assoziation mit dem Schlüsselwort NACHTWACHE verbindet... Das war leider nicht der Fall.
Im dämmerigen Licht eines alten Amsterdamer Hauses hing sie an der Wand: „Die Nachtwache“. Niemand wußte genau, warum sie gerade hier war – fern vom großen Saal des Museums, fern von neugierigen Blicken. Nur der Dieb, ein schweigsamer alter Mann, behauptete, das Bild habe ihn „gerufen“.
In der ersten Nacht, die seine Enkelin allein im Haus verbrachte, geschah etwas Seltsames. Sie war gerade dabei, das Licht zu löschen, als ihr Blick auf die Figuren im Gemälde fiel. Der Hauptmann, in seinem schwarzen Gewand mit der roten Schärpe, schien sie direkt anzusehen. Neben ihm stand der Leutnant, hell gekleidet, als würde er in einem Licht stehen, das gar nicht im Raum existierte.
„Einbildung“, murmelte sie. Doch als die Uhr Mitternacht schlug, hörte sie ein leises Geräusch. Metallisches Klirren. Schritte. Sie drehte sich langsam um. Das Bild… war nicht mehr still. Die Figuren bewegten sich.
Ganz langsam trat der Hauptmann aus dem Schatten der Leinwand hervor. Hinter ihm folgten die anderen – Musketiere, Trommler, ein kleines Mädchen mit geheimnisvollem Blick. Der Raum füllte sich mit einer fremden, längst vergangenen Zeit. „Du kannst uns sehen“, sagte der Hauptmann ruhig. Die Enkelin nickte, unfähig zu sprechen. „Dann bist Du auserwählt.“
Er erklärte ihr, dass Rembrandt van Rijn viel mehr getan hatte, als nur ein Bild zu malen. Er hatte einen Moment eingefangen – nicht nur in Farbe, sondern in der Zeit. Jede Nacht, wenn die Welt still wurde, durften die Figuren weiterleben. „Doch wir sind gebunden“, sagte der Leutnant. „Gebunden an jemanden, der uns wahrnimmt.“
Von dieser Nacht an war sie nicht mehr allein. Jede Mitternacht wurde das Haus lebendig: Marschierende Schritte, gedämpfte Befehle, das Rascheln von Stoff und das ferne Echo einer Trommel…
Aber mit der Zeit bemerkte sie etwas anderes: Die Figuren wurden schwächer. „Wir werden vergessen“, sagte das kleine Mädchen leise. „Und wenn das geschieht… verschwinden wir endgültig.“ Die Enkelin wußte, was zu tun war.
Am nächsten Tag brachte sie das Gemälde zurück nach Rijksmuseum. Menschen strömten herbei, betrachteten das Werk, staunten über Licht und Schatten, über Perfektion.
In der folgenden Nacht, als sie ein allerletztes Mal hinsah, erkannte sie ein winziges Detail: Der Hauptmann… lächelte. Ganz leicht.