Geballte Neuigkeiten in Sachen Ukraine-Hilfe / Concentrated news on Ukraine aid

in Deutsch Unplugged4 years ago

english below...

Es sind wieder ein paar Tage vergangen, seit viele Menschen ein dringendes Bedürfnis verspüren, den Menschen zu helfen, die am allerwenigsten mit dem Kriegsgeschäft in der Ukraine zu tun haben, den einfachen Leuten auf der Flucht, den Frauen und Kindern, den alten Menschen, den momentan heimatlos gewordenen...

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Ich bin nicht selbst vor Ort gewesen - aus mehreren Gründen, die hier den Rahmen sprengen würden und nichts zur Sache tun. Dabei kenne ich Krisengebiete: ich habe viele Jahre im Sudan gelebt und gearbeitet. Ich besuchte meinen Ältesten, als er mit dem Zivilen Friedensdienst im Kosovo war 2007 und ich begleitete meine Tochter zu ihrem ersten Auftrag als freie Journalistin 2015 nach Syrien. Diesmal beschränke ich mich auf das, was ich gut kann und was gerade am meisten fehlt, wie mir scheint: Netzwerken. Leute miteinander in Verbindung zu bringen und organisatorisch zu unterstützen. Ein paar angelaufene Aktionen beschrieb ich bereits an anderer Stelle - es gibt aus allen Richtungen Neuigkeiten:

Freundin Carola, die mit ihrem polnischen Mann zusammen einen Shuttle-Service von der ukrainischen Grenze zu verschiedenen Orten in Polen organisiert und betreibt, die Übersetzungen anbietet und bei der Suche nach Unterkünften hilft...:

https://steemit.com/deutsch/@weisser-rabe/hilfsangebote-aus-dem-freundeskreis-bitte-verbreiten-offers-of-help-from-friends-please-spread-the-word-predlozheniya-pomoshi-ot

Hier wird berichtet, daß die Menschen selbst recht gut orientiert sind, was für Hilfe sie brauchen, was sie alleine geregelt bekommen und was eben nicht. Die unbürokratische Öffnung Polens hat in vielerlei Hinsicht dazu beigetragen, daß ganz chaotische Situationen vermieden werden konnten. Trotzdem nimmt man in den Grenzregionen einen weiter ansteigenden Zulauf von Flüchtlingen wahr; in den nächsten Tagen könnten es noch deutlich mehr werden...

Robin Hertschek, der Lebensmittel und Tierfutter an die ukrainische Grenze gefahren hat zur Erstversorgung der Ankömmlinge...:

https://steemit.com/deutsch/@weisser-rabe/ukraine-bericht-ueber-einen-weiterer-anlauf-aus-prinzip-ukraine-report-on-another-attempt-on-principle

Hier wurde ein regelmäßiger Versorgungsweg eingerichtet, wobei täglich ein voll beladener Transporter mit dringendem Bedarf nach Medyka fährt und auf dem Rückweg Passagiere mit nach München nimmt. Die Stimmung unter den Flüchtenden wird so beschrieben, daß sie bereits länger Angst vor so einer Eskalation hatten, für den Fall einer irgendwann einigermaßen sicheren Ukraine auf jeden Fall wieder in ihre Heimat wollen, sich das aber bei einer dauerhaften Annexion durch Rußland keinesfalls vorstellen können...

Freundin Anke, die gestern früh zwei Mitarbeiter ihrer Tierschutz-Stiftung mit einem LKW an die ukrainische Grenze geschickt hat, um Haustiere, deren Einreise nach Polen lt. entsprechenden Meldungen der akuten Gefahrenlage wegen ohne bürokratische Hemmnisse, also auch ohne Haustier-Paß, ohne Impfungen etc., möglich sein sollte, aufzunehmen. Es wurden Vereinbarungen mit verschiedenen weiteren Pflegestellen getroffen, die ebenfalls vorübergehend Platz für Tiere von Flüchtenden anbieten können.

Leider hat sich hier herausgestellt, daß Tiere NICHT wie angekündigt über die Grenzen gelassen werden. Die EU hat sich hier eindeutig gegen den eigenmächtigen Schritt von Polen verwehrt und verweigert die Einreise in die EU ohne Einhaltung der Quarantäneregelungen. Um diese jetzt in sicheren Gebieten an der ukrainischen Westgrenze zu organisieren, sind weitere Mittel und freiwillige Helfer erforderlich...

https://www.facebook.com/photo/?fbid=10223587337529412&set=a.1955632208371

https://www.facebook.com/photo/?fbid=10223588418436434&set=a.1065750161876

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Freund Issam, der selbst einst als Flüchtling nach Deutschland kam und vorgestern mit seiner Firma Reisebusse gechartert hat, um Menschen von der ukrainischen Grenze aufzunehmen und in verschiedene aufnahmebereite Teile Deutschlands zu bringen...:

https://www.facebook.com/BlackCommunityCoalition/photos/a.2255567891370076/3062064317387092/

Hier wird auf ein Problem aufmerksam gemacht, das heute auch den Weg in die Medien fand: in der Ukraine gibt es einen hohen Anteil an ausländischen Studenten. Vor allem die Kiewer Universität ist bekannt für ihre ausgezeichneten Studienprogramme und nicht zuletzt für Lehre in französischer Sprache. Aus diesem Grund sind es vor allem Afrikaner, die dort immatrikuliert sind. Diese sind genau so betroffen vom Krieg wie die einheimische Bevölkerung, werden aber bei ihrer Flucht massiv beschränkt. Die Einreiseerleichterungen finden keine Anwendung auf sie als nicht-ukrainische Staatsbürger, sie werden an den Grenzen zurückgewiesen und das wirft für mich sofort die Frage auf, ob wir mit unserem gut gemeinten Aktionismus grundsätzlich Kriegsflüchtlingen helfen wollen oder nur solchen, die uns einigermaßen ähnlich sehen...? Hier sehe ich ganz klar Bedarf in Sachen Gleichbehandlung und halte einen Appell an die politischen Entscheider für dringend geboten. Die Herkunftsländer - zahlenmäßig allen voran Nigeria und Marokko - sehen sich nicht in der Lage (Nigeria), ihre Staatsbürger zu evakuieren oder weigern sich (Marokko) unter Bezugnahme auf die dort geltenden coronabedingten Einreisebeschränkungen auch für Angehörige des eigenen Volkes...

Freundin Tabea, die am Berliner Hauptbahnhof den Empfang und die "Verteilung" der Flüchtlingsfamilien auf quartiergebende Haushalte organisiert...:

https://www.facebook.com/photo/?fbid=10227189595901902&set=a.1591344019676

Hier wird das Fehlen einer offiziellen Struktur moniert: alles passiert mehr oder weniger in Eigenregie, es gibt keine Koordinierungsstelle oder verantwortliche Ansprechpartner. Bitte Berlin, das sollte doch machbar sein...! Immerhin kommen hier mit den Zügen der DB pro Stunde etwa 600 neue Flüchtende an und werden bislang erfolgreich bis Ankunft des nächsten Zuges in private Haushalte vermittelt, die vorübergehend Zimmer anbieten.

@dwarrilow2002 - ich danke Dir für Deine Initiative und Deine guten Gedanken zur Situation: aktuell sehe ich nicht, wie man mit Crowdfunding über die offiziellen Spendenkonten hinaus noch gezielter helfen könnte. Was es meines Erachtens in erster Linie braucht, sind Interventionen an staatliche Stellen und solche auf politischer Ebene - zur schnellen Beendigung des Kriegszustandes. Noch wäre es möglich!


english version:

Another few days have passed since many people felt an urgent need to help the people who have the least to do with the business of war in Ukraine, the ordinary people on the run, the women and children, the elderly, those currently homeless....

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I have not been there myself - for several reasons that would go beyond the scope of this article and are irrelevant. But I know crisis areas: I lived and worked in Sudan for many years. I visited my eldest when he was in Kosovo with the Civil Peace Service in 2007 and I accompanied my daughter to Syria for her first assignment as a freelance journalist in 2015. This time I'm limiting myself to what I'm good at and what seems to be most lacking right now: networking. Connecting people and providing organisational support. I have already described a few actions that have started elsewhere - there is news from all directions:

Friend Carola, who together with her Polish husband organises and runs a shuttle service from the Ukrainian border to various places in Poland, who offers translations and helps to find accommodation...:

https://steemit.com/deutsch/@weisser-rabe/hilfsangebote-aus-dem-freundeskreis-bitte-verbreiten-offers-of-help-from-friends-please-spread-the-word-predlozheniya-pomoshi-ot

It is reported here that the people themselves are quite well oriented as to what kind of help they need, what they can arrange themselves and what they cannot. The unbureaucratic opening of Poland has contributed in many ways to avoiding completely chaotic situations. Nevertheless, the number of refugees in the border regions continues to rise; there could be many more in the next few days...

Robin Hertschek, who drove food and animal feed to the Ukrainian border for the first supply of the arrivals...:

https://steemit.com/deutsch/@weisser-rabe/ukraine-bericht-ueber-einen-weiterer-anlauf-aus-prinzip-ukraine-report-on-another-attempt-on-principle

A regular supply route has been set up here, with a fully loaded van travelling daily to Medyka with urgent needs and taking passengers to Munich on the way back. The mood among the refugees is described as follows: they have been afraid of such an escalation for a long time, they want to return to their homeland in the event that Ukraine becomes more or less secure at some point, but they cannot imagine that happening in the event of a permanent annexation by Russia...

Friend Anke, who yesterday morning sent two employees of her animal welfare foundation with a lorry to the Ukrainian border to take in pets whose entry into Poland should be possible without bureaucratic obstacles, i.e. without a pet passport, vaccinations etc., according to corresponding reports due to the acute danger situation. Agreements have been made with various other foster homes that can also offer temporary space for animals of fugitives.

Unfortunately, it has turned out here that animals are NOT being let across the borders as announced. The EU has clearly opposed Poland's high-handed move here and refuses entry into the EU without complying with quarantine regulations. More funds and volunteers are now needed to organise this in safe areas on Ukraine's western border....

https://www.facebook.com/photo/?fbid=10223587337529412&set=a.1955632208371

https://www.facebook.com/photo/?fbid=10223588418436434&set=a.1065750161876

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Friend Issam, who himself once came to Germany as a refugee and the day before yesterday chartered coaches with his company to pick up people from the Ukrainian border and take them to various welcoming parts of Germany...:

https://www.facebook.com/BlackCommunityCoalition/photos/a.2255567891370076/3062064317387092/

Here, attention is drawn to a problem that also found its way into the media today: there is a high proportion of foreign students in Ukraine. Kiev University in particular is known for its excellent study programmes and not least for teaching in French. For this reason, it is mainly Africans who are enrolled there. They are just as affected by the war as the local population, but are massively restricted in their flight. The entry facilitations do not apply to them as non-Ukrainian citizens, they are turned back at the borders and this immediately raises the question for me whether we want to help war refugees in principle with our well-intentioned actionism or only those who look somewhat like us...? Here I see a clear need for equal treatment and think that an appeal to the political decision-makers is urgently needed. The countries of origin - led by Nigeria and Morocco in terms of numbers - do not see themselves in a position (Nigeria) to evacuate their citizens or refuse to do so (Morocco) with reference to the corona-related entry restrictions in force there, even for members of their own people...

Friend Tabea, who organises the reception and "distribution" of refugee families to quarters at Berlin's main railway station...:

https://www.facebook.com/photo/?fbid=10227189595901902&set=a.1591344019676

The lack of an official structure is criticised here: everything happens more or less on one's own initiative, there is no coordination office or responsible contact person. Please Berlin, that should be feasible...! After all, about 600 new refugees arrive here every hour on DB trains and have so far been successfully placed in private households offering temporary rooms until the next train arrives.

@dwarrilow2002 - thank you for your initiative and your good thoughts on the situation: at the moment I don't see how crowdfunding could help in a more targeted way beyond the official donation accounts. In my opinion, what is needed first and foremost are interventions to government agencies and those at the political level - to quickly end the state of war. It would still be possible!

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 4 years ago 

Vielen Dank für diese tolle Zusammenfassung - es ist in der Lähmung sehr tröstlich, von so viel privater Hilfsbereitschaft zu erfahren.
Erschütternd dann aber wieder die Sache mit den ausländischen Studenten in Kiew. Wie grausam und inhuman kann Bürokratie sein, einfach nur weil ein Fetzen Papier der falsche ist?!
Nee, nicht diskutieren. Dann wird mir nur wieder schlecht. So schlecht wie hier bei dem ein oder anderen Beitrag, ach was, allein schon bei den Überschriften, bei dem sich die ganz großen Checker einbilden, irgendwas beurteilen zu können/müssen und dabei eines völlig außer acht lassen: Die humanitäre Katastrophe. Die vielen unschuldigen Toten, die Heimatlosen. Die Angst. Viele, viele Ukrainer sind betroffen, bestimmt aber auch russische Zivilisten, die nahe der Grenze leb(t)en. Alles Menschen, das sollte niemand vergessen.
Danke nochmal! Du inspirierst dazu, nochmal genauer zu schauen, welche kleinen, privaten Aktionen man durch Spenden unterstützen kann.

 4 years ago 

Aktuellste Information: die ersten Gruppen junger Russen sind auf der Flucht (vor Einberufung und Zwangsrekrutierung) und es folgen mehr.

 4 years ago 

Sehr gut. Dann kann man den mutigen Jungs nur wünschen, dass sie irgendwo mit offenen Armen empfangen werden und nicht auf Leute treffen, die nun der Hasst-alle-Russen-nur-weil-sie-Russen-sind-Pauschaldiskriminierung verfallen.

 4 years ago 

Das ist genau das, was ich befürchte: ich las von Ärzten, die die Behandlung russischer Patienten ablehnten...

 4 years ago 

Oh ja angesichts der UnsChudLdigEn ist HilsfBereitsChaft unabdingbar, aber MitLeid haben diese Leute nicht verdient , deren KindEnde vielleicht, denn es gibt das InteRnet schon länger, alle WahrHeiten aller Seiten sind zum #SELBERDENKEN verfügbar gewesen , und sind es noch , für eine Weile .

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 4 years ago 

Da bin ich 'mal nicht so ganz auf Linie mit: Mitleid oder Mitgefühl ist doch nicht daran gebunden, daß ein Gegenüber seiner Situation nicht bewußt sein konnte...? Also mir tut ein Wintersportler, der sich beim Abfahrtslauf schlimm verletzt, schon leid. Obwohl er es hätte besser wissen und die Skier vermeiden können...

 4 years ago 

Absolut, "man" empfindet so und das ist ja auch gut so .
Aber da ist halt ein großes #ABER mit dabei, .... .

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 4 years ago 

Bei mir nicht.

@udabeu denkt du hast ein Vote durch @investinthefutur verdient!
@udabeu thinks you have earned a vote of @investinthefutur !

The simplicity of Europeans in this situation is admirable, people join in collaborating according to their abilities, with food, transportation, logistics, these are very good for the soul and spirit.

and God is pleased that we love one another...

 4 years ago 

ich finde wenn jemand nachweisen kann das er in der Ukraine aktuell Studiert und den Nachweis darüber hat sollte man sie auch aufnehmen!
Allerdings wenn man das nicht nachweisen kann müssen auch Grenzen gezogen werden ! Und das hat nichts mit herzlos zu tun den auch die Grenzbeamten haben Familie und Kinder und auch jene die dieses angewiesen oder beschlossen haben , es ist nicht schwer beide Seiten nachzuvollziehen

VgA

 4 years ago 

Es scheint mir einerseits nicht schwer, das anhand von Studentenausweis oder Immatrikulationsschein zu prüfen und zweitens sollten auch Touristen, die sich einen ganz schlechten Zeitpunkt für ihre Reise ausgesucht haben oder als Backpacker seit Monaten zu Fuß durch die Welt ziehen, nicht von Schutz und Hilfe ausgenommen sein.

 4 years ago 

Jeder kann touri oder backpacker sein das ist das Problem und die können produziert werden , es ist ja noch nicht lange her das wir das erlebt haben
VgA

 4 years ago 

Das ist kein Problem. Das wäre prima, wenn wirklich jeder überall Touri oder Backpacker sein könnte. Noch besser wäre, wenn es keine Nationalstaaten oder Grenzen gäbe, damit auch keine Aufenthaltsrechte mehr o.ä.

Utopie? Ja. Unrealistisch? Nein.

@udabeu denkt du hast ein Vote durch @investinthefutur verdient!
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