RE: So weit, so gut, die Nerven liegen blank...
Es ist keine Sucht nach Drogen, sondern eine Suche nach Leben ;) ich kann mich soweit einschätzen, dass es keine Suchtgefahr für mich darstellt. Zudem wenn ich diese Therapie erhalten würde, wäre ich so dankbar dafür und so verantwortungsvoll, dass ich selbst das gelegentliche Kiffen einstellen würde. Ich will eine gute Therapie machen und wieder leben können. Das mag ich mir auf keinen Fall verhunzen :)
Gestern Abend bekam ich eine Mail von meiner Psychiaterin, sie meinte es müssen für diese Therapie gewisse Kriterien erfüllt sein, die ich nicht erfülle. Aber wir reden beim nächsten Termin darüber. Bin echt schon gespannt darauf. Ich mein, es muss nicht zwingend eine Ketamintherapie sein. Wenn es etwas Anderes gibt, was mir mein Leben zurückschenkt, dann bin ich auch offen dafür. Es ist halt try and error dann. Versuchen wir mal das Medikamente... Klappt nicht... Ok, nächstes Medikament... So lange, bis etwas gefunden wird, das mir wirklich hilft. Ooooder wir machen einfach die Ketamintherapie, wo ich mir zu 100% sicher bin, dass sie hilft.
Es fühlt sich für mich halt so an, als wären beide Beine gebrochen und ich sehe den Rollstuhl... 100 Meter von mir entfernt... Also es gibt Hilfe, es gibt etwas, worauf ich anspreche. Ich kann es nur nicht erreichen. Das löst dann natürlich ein Gefühl der Ungerechtigkeit in mir aus. Und des Systemversagens wie damals. Wodurch sich dann wieder leicht der Gedanke bildet: Das System ist nicht da um mir zu helfen, im Gegenteil, es ist da um mich loszuwerden. Weil irgendwann wird das so passieren, wenn ich weiterhin im Stich gelassen werde... Einfach weil es zu viel wird für mich. Was bringt es mir zu leben, wenn ich nicht lebe? Nur zu funktionieren, um zu Arbeiten und Steuern zu zahlen, dass Politiker ihr zu hohes Gehalt daraus beziehen können? Darauf habe ich einfach keine Lust. Wenn ich schon leben "muss" (aus aktueller Sicht ist es wirklich mehr müssen als dürfen), dann will ich auch leben, nicht nur funktionieren. Weil sonst kann ich es auch gleich lassen!
(Sorry wenn das jetzt nach Drohung klingt, soll es wirklich keine sein, es sieht für mich nur aktuell so aus, wenn ich zuviel darüber nachdenke.... Und um Wind aus den Segeln zu lassen: Ich habe zur Zeit weder Intention etwas zu machen, noch einen konkreten Plan, wie ich es umsetzen würde, also kein Grund zur Sorge. Dann gibt es auch noch meinen Sohn, wo es mir das Herz brechen würde, wenn er ohne Vater aufwachsen muss. Also soweit mal safe würde ich sagen)
Was ist ein EX-IN Genesungsbegleiter? Das habe ich noch nie gehört...
Guten Morgen! Ich denke, so einfach kannst Du Deine Sucht und Dein Defizit an Lebensfreude nicht trennen. Durch das eine ist Deine Erwartungshaltung so unnatürlich hoch, daß nur immer neue Kicks Dich so stimulieren, daß Du Dich fühlen kannst. Das ist übrigens nicht nur bei stofflichen Abhängigkeiten so - frag' Spielsüchtige oder Extremsportler...
Es gibt auch meiner Meinung nach kein Patentrezept, das für alle paßt. DEN EINEN Weg in ein entspanntes und gesundes Leben. Ich schließe darum gar nicht aus, daß für Dich so eine Ketaminbehandlung den gewünschten Effekt bringen könnte. Aber ich halte diesen ANsatz für falsch.
EX-IN ist ein Konzept, daß aus Amerika stammt (glaube ich). Im groben geht es darum, daß Abhängige einen psychologischen Ausbildungsprozeß durchlaufen, sich selber dadurch besser verstehen lernen und ihre Erfahrung an Leute im aktiven Konsum oder mit Suchtdruck weiter geben. Stell Dir einfach vor, daß Du nicht mehr das Gefühl hast, Dein Therapeut kann Dich gar nicht verstehen, weil er nie in Deiner Situation war, weil er nie gefühlt hast, was Du fühlst. Bei Ex-In weißt Du: Dein Gegenüber kennt das alles. Und hat es hinter sich gelassen. Sieht und fühlt Dich aber dabei.
In Italien bietet das z.B. La Strada an, die sitzen in Bozen. Oder Ariadne. Lies Dich in das Konzept gerne 'mal rein - ich empfehle es Dir, weil ich im Umfeld sehr gute Eindrücke davon habe.
https://ex-in.de/ueber-ex-in/
Zugegeben, wenn ich zurückdenke, wann ich ein Gefühl von Glücklichsein hatte, dann war das mit Substanzen. Jetzt rückblickend sage ich dazu, ja, es kann sich wie Glücklichsein angefühlt haben, aber es war halt kein "natürliches" Glücklichsein. Da gibt es einen Unterschied.
Hey, La Strada kenne ich, da arbeitet mein damaliger Psychologe :) Aber das Konzept klingt echt interessant ;) Danke :)